Weimar Human Rights Award

Dankeswort von Pater Shay Cullen für die Verleihung des Menschenrechtspreises

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Germer,
sehr geehrte Mitglieder des Rates der Stadt Weimar,
liebe Freunde,

Ich fühle mich sehr geehrt und möchte Ihnen meinen tief empfundenen Dank aussprechen für die Verleihung des Menschenrechtspreises der Stadt Weimar am heutigen Tag der Menschenrechte 2000. Ich bin mir bewußt, das dies ein Zeichen ihres Engagements und Respekts für die Würde des Menschen ist. Der Menschenrechtspreis ist ein besonderes und wichtiges Bekenntnis zu den universellen Rechten eines jeden Menschen, ein Leben in Freiheit und Frieden, in Gerechtigkeit und Gleichberechtigung führen zu können.
Ihr Preis ist ein Bekenntnis zur Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen.

Am heutigen Menschenrechtstag bestätigt und unterstützt der Preis der Stadt Weimar auf besondere Weise die Rechte von ausgebeuteten und missbrauchten Frauen und Kindern, wie sie auch in dem Abkommen über die Rechte von Kindern der Vereinten Nationen festgeschrieben sind.
Ich nehme diesen Preis entgegen stellvertretend für meine Kollegen von der Preda Foundation und alle, die sich für die Menschenrechte einsetzen, und dabei vielerorts täglich ihr Leben riskieren. Ich möchte Ihnen in deren Namen meinen Dank aussprechen. Dieser Menschenrechtspreis ist ein dauerhaftes Bündnis, das Ihre Stadt mit denen eingeht, die für die Menschenrechte der Kinder und Jugendlichen auf den Philippinen kämpfen.

Der Menschenrechtspreis bringt uns zusammen im Mitgefühl und in Liebe, in Besorgnis und in der aktiven Tat für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen, besonders jenen, die durch den internationalen Sextourismus sexuell missbraucht und ausgebeutet werden.

Liebe Freunde und Mitstreiter, wir wissen um den Schmerz und das Leid der Opfer. In großer Dankbarkeit nehme ich diesen Preis entgegen - aber nicht für mich selbst, denn was ich erreicht habe ist nicht viel.

Ich nehme den Preis entgegen im Namen der Kinder und der jungen Frauen, denen man ihre Würde, ihre Unschuld und ihre Kindheit genommen hat, denen Bildung und denen das Recht zu Freiheit, Gerechtigkeit und sozialer Gleichberechtigung vorenthalten wird.

Ich nehme den Preis entgegen im Namen der zahllosen Frauen und Kinder, die durch den Menschenhandel versklavt worden sind.

Ich nehme den Preis entgegen im Namen der Kinder, die durch die Gier und die Habsucht der Bar- und Bordellbesitzer in ihrer Armut zur Prostitution und in ein Leben sexueller Sklaverei gezwungen werden.

Es ist die Armut, die junge Frauen und Kinder vom Land in die Slums der Großstädte treibt. Durch Arbeitslosigkeit, Hunger, fehlende Bildung und den Mangel von grundlegenden Lebensnotwendigkeiten werden sie Opfer sexueller Ausbeutung.
Der Handel mit Frauen und Kindern ist eine globale Realität. Wir müssen zusammenstehen und ihn global bekämpfen. Um diese grausame Verletzung der Menschenrechte zu beenden, muss die Zusammenarbeit zwischen uns, den Menschen in Weimar und Deutschland und den Menschen auf den Philippinen, weitergeführt werden.

Die Globalisierung der Sexsklaverei findet besonders dort statt, wo in bestimmten asiatischen Ländern Regierungsbeamte Investitionen örtlicher und ausländischer Investoren in den Sex Tourismus begrüßen und fördern. Diese Regierungsbeamte erteilen Geschäftslizenzen für sogenannte Hotels, Bars und Klubs, welche Schauplätze für den Handel mit Frauen und Kindern sind.
Viele Investoren zielen auf Sextouristen ihrer eigenen Nationalität ab, für die sie ihre Hotels, Bars und Klubs in Orte der Prostitution verwandeln. Diese Art von Investoren braucht Asien und brauchen die Philippinen nicht. Die Mehrheit der Menschen will sie nicht.

Sextourismus ist heute eine globale Industrie. Die Türen der armen Länder stehen diesem zerstörerischen Geschäft der Sklaverei weit offen. Beschränkungen für den Handel mit Menschen gibt es kaum.
Wir müssen das Gewissen der Internationalen Gemeinschaft wachrütteln, das Gewissen der Regierungen, der Entwicklungshilfeorganisationen und der finanziellen Institutionen, wie zum Beispiel der Welthandelsorganisation, der Weltbank oder der IMF, die diese Regierungen unterstützen und ihre Projekte finanzieren. Sie müssen verantwortlich gemacht werden für die Armut, die Unschuldige in die Fänge des Sexhandels treibt, der die Würde von Frauen und Kindern und das Leben von Millionen von Menschen zerstört. Denn sie können sich für die Interessen der Armen einsetzen und Druck auf die Regierungsbeamten ausüben, den Sextourismus zu beenden und gesunde Alternativen zu entwickeln.

Aus diesem Grund ist fairer Handel (Fair Trade) so wichtig. Er bringt Wohlstand in ländliche Gebiete, er hält Familien zusammen und hilft den Ärmsten durch angemessene Preise, zinslose Kredite und starke Märkte. Fairer Handel sorgt für Bildung und ein ausreichendes Einkommen, er stoppt die Abwanderung in die Slums der Großstädte, wo die Armen zur Prostitution rekrutiert werden.
Wir müssen auch die Ratifizierung des Internationalen Gerichtshof der Gerechtigkeit unterstützen, sodass er eine machtvolle Institution wird, die Tyrannen, Folterer und Menschenrechtsverletzer ihrer gerechten Strafe zuführt. Das schließt die Sklavenhändler des Sextourismus', die mit Frauen und Kindern handeln, ein. In einem Verbrechen gegen die Zukunft der Menschheit, werden Millionen von Kindern entmenschlicht, ihrer Kindheit beraubt, von Todeskommandos erschossen und vernichtet wie Ungeziefer. Es ist ein abscheuliches Verbrechen, und jene die es begehen, müssen zu Gerechtigkeit und Strafe gebracht werden.
Das Leben der Frauen, die durch den globalen Sexhandel versklavt sind, ist unmenschlich. In den schlimmsten Etablissements werden sie an Betten gekettet, eingesperrt in dunkle Räume, wo sie mehrmals am Tag vergewaltigt werden. Man gibt ihnen Essen, das für einen Menschen ungenießbar ist, und sie werden sogar gefoltert und gequält, um sie unterwürfig und ergeben zu machen.
Jahre später wirft man sie einfach weg, wenn sie zu alt oder krank geworden sind. Tausende junger Menschen werden jeden Tag mit dem HIV Virus infiziert. In manchen Bars und Klubs tanzen sie vor den Kunden und werden dann als Sexualpartner ausgewählt, wie Waren aus einem Supermarktregal
Sie sind die weggeworfenen Kinder, sie sind die Vergessenen und Zurückgewiesen dieser Welt. Hunderttausende Kinder werden weltweit in die Prostitution gezwungen und führen ein Dasein des Elends und des Leids.

Die philippinischen Menschen, denen ich stolz bin zu dienen, sind ein großes Volk und haben mutig gegen ausländische Eindringlinge gekämpft. Sie haben Militärstützpunkte beseitigt und waren siegreich gegen Diktatoren und Tyrannen, um ihre Würde und ihre Menschenrechte zurückzugewinnen. Es war ein langer Weg in die Freiheit. Für die Armen geht der Kampf ums Überleben weiter. Die philippinischen Menschen sind gegen die Sexindustrie und die Kinderprostitution und haben einige der striktesten Gesetze zum Kinderschutz in Asien erlassen. Die Schwierigkeit besteht in der Umsetzung dieser Gesetze vor Ort.

Hunderte Verfechter der Menschenrechte bekämpfen das Übel des Sextourismus und der Prostitution von Kindern und Jugendlichen. Es hat bereits viele Verurteilungen von Pädophilen gegeben, die gegenwärtig lange Gefängnisstrafen abbüßen müssen, unter ihnen auch einige ausländische Sextouristen.
Die Verfechter der Rechte der Kinder von Preda haben einige dieser Verurteilungen herbeigeführt. Durch das Bekanntwerden von Inhaftierungen ausländischer Sextouristen haben die Veranstalter des Sextourismus viel Geld verloren und sind nun zornig auf uns. Wir arbeiten mit den aufrichtigen Regierungsbeamten zusammen, die gegen die Sexindustrie und die Kinderprostitution sind. Sogar einige dieser aufrichtigen Regierungsbeamten sind von der Sexmafia bedroht und verleumderisch beschuldigt worden.
Wegen ihrer lügnerischen Propaganda sind wir Morddrohungen ausgesetzt und unser Menschenrecht auf ordnungsgemäße Beweisführung wird uns vorenthalten. Sie haben sich viel Mühe gegeben, falsches Beweismaterial gegen uns zu lancieren, zu guter Letzt ist es ihnen aber nicht gelungen. Die schwerwiegendste ihrer unrechtmäßigen Beschuldigungen sind zum dritten Mal, diesmal endgültig, als jeder Grundlage entbehrend abgewiesen worden.

Die Arbeit für die Verteidigung der Menschenrechte wird von heute an mit noch größerer Entschlossenheit fortgeführt werden. Noch sind wir mit Verleumdungsklagen konfrontiert, weil wir in einer Kampagne gegen die öffentliche Hinrichtung von obdachlosen Kindern und Jugendlichen durch die Mitglieder der Todeskommandos in den Philippinen protestiert haben. Die Kinder werden wie Ratten gejagt und in den Strassen niedergeschossen.
Es handelt sich dabei um obdachlose, arbeitslose Jugendliche ohne Ausbildung, denen man ihre Rechte vorenthält und sie ungerecht als die Parasiten der Gesellschaft bezeichnet. Unter keinen Umständen darf man zulassen, das diese Kinder und Jugendliche auf solch furchtbare und schändliche Weise behandelt werden. Sie sind Gottes Kinder und ihr Leben ist so wertvoll und heilig wie das eines jeden anderen. Auch sie haben das Recht auf ein Leben in Würde, auch sie haben ein Recht auf Bildung, Arbeit und freie Entfaltung. Aufgrund unseres Protestes gegen die Todeskommandos und unseres Eintretens für die Menschenwürde dieser Jugendlichen werden wir der Verleumdung angeklagt. Das Gesetz missbraucht, um die Redefreiheit einzuschränken und das Recht Leben zu beschützen und den Opfern zu helfen wird beschnitten. Diese ungerechtfertigten Beschuldigungen sind auch ein Grund, warum ich heute nicht bei Ihnen sein kann. Darüber bin ich betrübt, aber ich hoffe, Sie eines Tages persönlich treffen und mich bei Ihnen bedanken zu können.

Die Verleihung des Menschenrechtspreises der Stadt Weimar an mich ist ein Akt Ihrer Solidarität mit den Opfern dieser Hinrichtungen. Wir bitten Sie, uns in unserem fortdauernden Kampf für die Armen und Obdachlosen zu unterstützen.

Wir möchten Ihnen allen danken, die Sie heute hier versammelt sind. Wie möchten uns ebenso bedanken bei allen Organisationen, die ihre Solidarität mit uns bekundeten, indem sie die Gemeinsame Erklärung zur Rufmordkampagne gegen mich unterzeichnet haben. Die vielen Briefe, die zu unserer Hilfe und unserem Schutz kamen, werden wir nie vergessen. Bitte seien Sie meines tief empfundenen Dankes versichert. Durch Ihre Solidarität, die auf der Bereitschaft für die Menschenrechte einzustehen gründet, werden wir unsere Arbeit für eine friedliche und gerechte Gesellschaft fortsetzen.
Vielen Dank.

Ich bitte Sie auch die Rede meines Kollegen und Freundes Herrn Alex Hermoso zu hören.

Pater Shay Cullen

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