"Ich ging, um die Welt zu verändern"

"Ich ging, um die Welt zu verändern"

Badische Zeitung vom Montag, 21. Juli 2008

Der Geistliche Shay Cullen gründete auf den Philippinen eine Hilfsorganisation, die arme Kinder aus Bordellen rettet

Der irische Mönch Shay Cullen stellte sein neues
Buch vor.(FOTO: REGINE OU ...mehr

Von unserer Mitarbeiterin Regine Ounas-Kräusel

ZELL. Pater Shay Cullen wird gebraucht, weil es Kinder wie Hilario gibt. Der Achtjährige lebt auf der Straße in der philippinischen Stadt Olongapo. Seinen Lebensunterhalt verdient er, indem er mit seiner Holzkarre Flaschen und Zeitungen sammelt und wieder verkauft. Weil dies einen Gastwirt störte, landete Hilario im Gefängnis. Cullen und sein Kinderhilfswerk Preda holen Kinder wie ihn aus dem Gefängnis. Darüber berichtete der Geistliche im Bürgerforum Zell und stellte bei dieser Gelegenheit sein neues Buch vor.

Preda rettet Kinder aus Bordellen der Sexindustrie, aus Gefängnissen, in die sie unverschuldet geraten sind und gibt ihnen ein Zuhause und eine Ausbildung. Gastgeber des Abends mit dem irischen Mönch Cullen war der Verein für Frieden und Entwicklung, der den Weltladen Cabanja betreibt. 40 bis 50 Frauen und Männer, zum Teil aus der Weltladenbewegung, hörten ihm mit großem Interesse zu.

"Ich ging von Irland auf die Philippinen, um als Missionar die Welt zu verändern" erzählt Shay Cullen, ein kräftiger Mann mit wachen, interessierten Augen und Mönch des Ordens "Columban" . In der Stadt Olongapo in der Nähe der Hauptstadt Manila, entdeckte er bald, wie Mädchen und auch Jungen in Bars und Bordellen sexuell ausgebeutet werden. Oder Straßenkinder wegen Kleinigkeiten ins Gefängnis kamen. Viele amerikanische Soldaten besuchten die Bars: In der Nähe der Stadt lag ein amerikanischer Marinestützpunkt mit 12 000 Soldaten. Im Jahr 1974 gründete Shay Cullen das Kinderhilfswerk Preda.

Heute leben dort ständig 100 bis 120 Jungen und Mädchen. Shay Cullen und die philippinischen Sozialarbeiter fördern sie umfassend: Die Mädchen und Jungen gehen zur Schule, sie können ein Handwerk lernen, Schreinerei zum Beispiel. In einer speziellen Therapie können sie ihre schmerzlichen Erfahrungen durch Schreien und Weinen zum Ausdruck bringen. Vielen Straßenkindern falle es zunächst schwer zu bleiben, schildert Shay Cullen, doch letztendlich blieben sie fast alle: "Wir haben ein offenes System entwickelt ohne Bewacher, ohne Strafen."

Ein paar Jugendliche haben sogar eine Theatergruppe gegründet, mit der sie auf den Philippinen, aber auch in Europa, in den USA oder — jetzt während des Papstbesuches — in Australien auf ihr Schicksal aufmerksam machen. Viele Kinder stammen aus Familien von Mangobauern, die zu arm sind, um sie zu ernähren. Daher versuchen sie, in den Städten als Tagelöhner Geld zu verdienen, geraten dabei aber oft in die Fänge der Sexmafia. Grund genug für die Organisation Prede auch die Familien zu unterstützen: Zwei Bauerngenossenschaften verkauften ihre Mangos inzwischen über den fairen Handel nach Deutschland, berichtet er. Das bringt den Bauern Vorteile: Das Fair-Trade-Unternehmen kauft die gesamte Ernte zu einem guten Preis. Es nimmt die Früchte getrocknet ab oder als Saft. Die traditionellen Händler dagegen kaufen die Früchte frisch. Sie nehmen nur die schönsten und drücken den Preis. Doch inzwischen müssten auch sie höhere Preise zahlen, berichtet Shay Cullen: "Der faire Handel hat das Kartell aufgebrochen."

Preda — eine einzige Erfolgsgeschichte: So klingt der Vortrag von Shay Cullen. Aber es gibt auch Widerstände, denn die Arbeit ist der Sexmafia und den Lokalpolitikern, die daran mit verdienen, ein Dorn im Auge. "Wir werden bedroht" , sagt der Pater. Oder Preda werde verklagt, wegen Entführung etwa, wenn die Organisation ein Kind aus einer Bar rette. Shay Cullen hat fast unglaubliche Siege errungen: So wurde die Militärbasis nach einem Regierungswechsel im Jahr 1992 geschlossen. An ihrer Stelle entstand ein Industriepark, in dem heute rund 50 000 Menschen arbeiten. Genau dafür hatte Shay Cullen zehn Jahre lang gekämpft. Doch sein Kampf ist nicht zu Ende: Nach drei Jahren seien die Bars und Bordelle wieder eröffnet worden. Diesmal für Sextouristen, berichtet Cullen. Froh ist er, dass in der internationale Gemeinschaft der Druck gegen Kinderhandel wächst: "Das ist eine große Ermutigung für uns."

Shay Cullens Buch "Kein Kind ist verloren" ist im Buchhandel erhältlich
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