In Manila nach wie vor Kinder im Gefängnis

In Manila nach wie vor Kinder im Gefängnis

Von René Q. Bas
Montag, 31. Dezember 2007

Im Gegensatz zu den Äußerungen der Politiker aus dem Sozialministerium in einer früheren Ausgabe der Manila Times, werden Kinder in der Hauptstadt nach wie vor eingesperrt.

„Es ist wahr, die Kinder sind nicht im Stadtgefängnis. Aber sie sind in zwei Gebäuden fünf Minuten vom Rathaus entfernt untergebracht,“ sagt Columban Priester Pater Shay Cullen. Um diese Behauptung zu untermauern, gab er der Times Bilder von Regierungseinrichtungen in Manila, die er bei verschiedenen Besuchen gemacht hatte. Das letzte war vom 19. Dezember.

Cullen ist der Präsident der Stiftung für Rehabilitierung, Bestärkung und Entwicklung von benachteiligten Kindern und Ureinwohnern und Kolumnist für die Times. Die Stiftung rettet und heilt missbrauchte Kinder und ausgebeutete Frauen.

Ein Gefängnis ist kein Zuhause.

„Das Empfangs- und Handlungszentrum (RAC) beherbergt Kinder von sechs bis zwölf“, sagt er. „Es ist kein Zuhause für Kinder, es ist ein Gefängnis. Das Manila Jugend-Empfangszentrum ist ein schrecklicher unmenschlicher Knast.“

Der Eingang des Empfangs- und Handlungszentrums liegt in einer engen Straße. Besucher treffen auf ein großes Tor, das mit Stahlstangen geschlossen und von ernst dreinschauenden, nichtuniformierten Wachleuten besetzt ist. „Am 19. Dezember schlossen sie für uns auf,“ sagt Cullen. „Ich fuhr mit Sozialarbeitern von Preda hinein und parkte vor dem RAC, das für Sechs- bis Zwölfjährige ist. Zehn Meter weiter befindet sich der Eingang zum MYRC, das für Fünfzehn- bis Achtzehnjährige gedacht ist.“ Die Politiker des Sozialministeriums, unter deren Aufsicht das Manila-Jugendempfangszentrum steht, sowie Angestellte des Stadtgefängnisses von Manila, teilten dem Times Reporter mit, es gäbe keine Kinder mehr in Gefängnissen; das neue Zentrum sei wie ein Zuhause für „Kinder, die im Konflikt mit dem Gesetz stehen“.

Bei einem früheren Besuch sagte Cullen, Kinder hinter braungestrichenen Holzgittern gesehen zu haben. Auf der Preda Web-Seite kann man Fotos davon sehen. „Als ich im August hier war, waren sie orange gestrichen“ fügte er hinzu. „Es gibt dort zwei separate Gebäude, wo die Kinder und Jugendlichen von sechs siebzehn von der Stadt Manila festgehalten und gefangen sind.“

Menschenrechtsverletzungen

Die Menschenrechte all jener Kinder und Jugendlichen, die in diesen Gebäuden gehalten werden, sind verletzt, allein schon deshalb, weil sie unter kläglichen Bedingungen leben,“ sagte Cullen. „Sie brauchen sofortige Unterstützung und Hilfe.“ „Die Bedingungen sind unmenschlich. Schauen sie diese Fotos an,“ gab der Priester zu verstehen, die Fotos in der Hand, die die Gitter zeigten, welche die Gefangenen in den Zellen festhielten. Er hatte auch Fotos der Mahlzeiten, die den Kindern serviert wurden. Diese sahen schlimmer aus, als Schweinefraß, sagte Cullen. Als er kurz vor Weihnachten hier war, war die Einrichtung fast in so miserablem Zustand, wie er sie im August 2007 vorgefunden hatte, als der letzte Besuch stattfand. Außer einer neuen Asphaltstraße, hatte sich nichts verändert, fügte er hinzu.

Kein Spielplatz

Am 19.Dezember gingen Cullen und sein Preda Team in die zweite Etage des Empfangs- und Handlungszentrums, um die Straßenkinder zu sehen, die im August hier eingesperrt worden waren.

Sie waren nicht dabei, als die Kinder- v.a. Jungen der Einrichtung hinunter zu einem Zeltplatz innerhalb des Hofes gebracht wurden, um Cullen und andere Besucher zu begrüßen. „Wir waren gekommen, um den Kindern eine Weihnachtsfeier zu bereiten“, sagte Cullen.

„Für die Weihnachtsfeier hatten die Verantwortlichen ein Zelt vor dem Haupteingang aufgebaut und Stühle im Halbkreis aufgestellt,“ sagte er. „Die Kinder waren vom RAC in der zweiten Etage heruntergebracht worden und warteten auf dem Zeltgelände auf den Besuch der Preda Sozialarbeiter, die Spiele und Spaßeinlagen starteten und ein herzhaftes Reisgericht mit Huhn servierten.“

Er fügte hinzu: „Es waren 72 Straßenkinder in der Einrichtung. Wir hatten per Telefon gesagt bekommen, für 92 Essen vorzubereiten. Sie hatten kürzlich 20 Kinder hineingeholt. Die sahen so hungrig aus. Ich dachte mir, die würden alles essen, was wir mitbringen.“

Die Behörden hatten Cullen mitgeteilt, die Einrichtung sei voll belegt und „es sei kein Platz mehr für weitere Kinder.“ Er fügte hinzu, selbst wenn jemand einen Spielplatz hätte spenden wollen, damit die Kinder wenigstens aktiv wären und nicht träge würden, „gab es dort in dem engen Gelände keinen Platz dafür.“

Sozialarbeiter

Cullen sagte, den städtischen Sozialarbeitern nicht zu kritisch begegnen zu wollen. „Was ich ihnen hier erzähle, soll keine Kritik an den Sozialarbeitern der Stadtregierung darstellen. Die Chefin grüßte mich, als ich mit unseren Sozialarbeitern hier ankam. Sie war sehr versöhnlich und bedauerte, dass das Budget für Essen und die Bedürfnisse der Kinder von den Bürokraten gekürzt worden war.“

„Diese staatlichen Sozialarbeiter und Pfleger versuchten, die Einsamkeit und Not der Kinder zu lindern und die Umstände zu verbessern,“ erklärte er. „Aber ohne Geld, ist es unmöglich, den Kindern Essen, Kleidung und Möglichkeiten zu verschaffen, dass sie ihre Würde und Rechte gewährt bekämen,“ sagte er. „Ich hörte, die Stadtregierung sei pleite. Die Sozialarbeiter sind wirklich besorgt über die Bedingungen der Kinder, besonders wenn die Möglichkeiten eingeschränkt werden.“