Preda Deutsch Website

Wie die Kindesmissbrauch-Plattform funktionierte

July 27, 2017 ·  By www.spiegel.d

Fast 90.000 Mitglieder hatte die Kindesmissbrauch-Plattform “Elysium”. Nun wurde sie abgeschaltet, es gab mehrere Festnahmen – auch in Deutschland. Ein entscheidender Hinweis kam von einer Lehrerin aus Österreich.

Das Wort "Elysium" steht am Rande einer Pressekonferenz von BKA

Das Wort “Elysium” steht am Rande einer Pressekonferenz von BKA

 

 

Nach aufwendigen Ermittlungen ist dem Bundeskriminalamt (BKA) und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main ein Erfolg im Kampf gegen Kindesmissbrauch-Pornografie gelungen: Die seit Ende 2016 existierende Plattform “Elysium” wurde abgeschaltet. 14 Verdächtige wurden festgenommen, darunter fünf Deutsche.

Die Darknet-Plattform diente nicht nur dem weltweiten Austausch von Kindesmissbrauch-Pornografie, der Missbrauch der Kindern soll in dem Forum auch koordiniert worden sein. “Elysium” existierte nur wenige Monate, erreichte dennoch mehr als 87.000 Mitglieder – und die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen.

Wer steckt hinter der Plattform? In welchen Ländern wird ermittelt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.


Wer sind die Verdächtigen?

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Plattform ihren Sitz in Deutschland hatte. Der Hauptbeschuldigte ist ein 39-Jähriger aus dem Kreis Limburg-Weilburg in Hessen. Laut BKA ist er der mutmaßliche Administrator der Seite, er sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird “bandenmäßige Verbreitung von kinderpornografischen Schriften” vorgeworfen.

Außerdem wird gegen zwei weitere mutmaßliche Betreiber der Seite ermittelt. Ein 61-Jähriger aus Bayern soll als “Grafiker” tätig gewesen sein, gegen ihn wird auch wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch ermittelt. Ein 56-Jähriger aus Baden-Württemberg soll auf der Plattform als Moderator agiert haben. Beide sitzen ebenso wie ein 44-Jähriger aus Dresden und ein 41-jähriger Berliner in Untersuchungshaft.

Einem 28-Jährigen, der in Österreich festgenommen wurde, wird vorgeworfen, seine eigenen Kinder missbraucht zu haben. Zudem gehen die Ermittler davon aus, dass der Verdächtige seine Kinder an mindestens zwei andere Männer vermittelte, damit sich diese an dem Jungen und dem Mädchen vergehen konnten.

Um Zugang zur Seite zu bekommen, mussten Mitglieder laut Staatsanwaltschaft selbst kinderpornografisches Material zur Verfügung stellen. Angaben darüber, wie viele der fast 90.000 Mitglieder bereits identifiziert worden sind, konnten die Behörden nicht machen. Zurzeit gibt es keine Hinweise, dass hinter der Missbrauchsplattform ein Bezahlsystem stand.

Wer sind die Opfer?

Bisher konnten die Behörden weltweit 29 Opfer identifizieren. Darunter sind nach Angaben des BKA auch die Kinder des 28-Jährigen aus Österreich. Sie sollen fünf und sieben Jahre alt sein.

Zur Zahl der Opfer konnten die Ermittler noch keine Angaben machen. Es liege kinderpornografisches Material in “erheblicher Dimension” vor, so der Frankfurter Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk. Demnach handelt es sich auch um “Aufnahmen von schwerstem sexuellen Missbrauch von Kindern und Darstellungen von Gewalthandlungen”. Unter den Opfern seien “sehr, sehr kleine und junge Kinder”.

Wie liefen die Ermittlungen ab?

Die Operationen wurden international koordiniert, wesentlich beteiligt ist daran die europäische Polizei Europol. Unter anderem sind Österreich, Italien, Neuseeland und Australien in die Ermittlungen eingebunden.

Einen entscheidenden Hinweis lieferte eine Lehrerin aus Wien. Sie hatte der österreichischen Polizei zufolge auf einem Foto ein sieben Jahre altes Missbrauchsopfer erkannt – die Tochter jenes 28-Jährigen, der nun in U-Haft sitzt.

Wie genau sie den Verdächtigen dann auf die Spur kamen, wollten die Ermittler nicht mitteilen. Man habe auf verschiedene Methoden zurückgegriffen, sagte Oberstaatsanwalt Ungefuk. Die Frage, ob sich Ermittler selbst als Mitglieder in die Plattform eingeschleust hatten, ließ er offen.

Wie konnte die Plattform so rasant wachsen?

Die Szene ist laut Ungefunk gut vernetzt und tauscht sich ständig über verschiedene Kommunikationswege aus – Hinweise zu neuen einschlägigen Seiten würden schnell weitergegeben. “So kommt es innerhalb kürzester Zeit dazu, dass neue Plattformen Mitgliederzahlen in dieser Größenordnung erreichen können,” sagte Ungefunk. “Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie groß letztlich diese Szene weltweit ist.”

Wie funktioniert das Darknet?

Das Darknet lässt sich nur mit spezieller Software erreichen, beispielsweise dem Tor-Browser. Man kann es sich als eine Art virtuellen Hinterraum für Eingeweihte vorstellen, den Kriminelle nutzen, aber etwa auch Dissidenten, Aktivisten und Journalisten. Anfragen werden beim Absender verschlüsselt, dann hüpfen sie durch ein globales Verteilernetz von Tausenden Servern zum Ziel.

Copyright © 2017 · Preda Foundation, Inc. All Rights Reserved