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Newsletter April-Mai 05

May 31, 2005 · 

Liebe Freunde und Verfechter von Rechten für Kinder,

Diese Ausgabe des Rundbriefes enthält hauptsächlich Berichte von Kindern, die den Sprung von Traurigkeit und Elend zu einem glücklichen Leben mit neuen Freunden, Spass, Würde und einer Ausbildung geschafft haben. Während ich diese Zeilen schreibe, schaue ich von meinem Fenster im Preda – Zentrum auf die Subic Bay, die Berge und den rot glühenden Ball der Sonne, die hinter den Bergen versinkt. Es is schön hier an den Bergen und mit Aussicht auf das Meer, ein passender Ort für die Kinder die sich von ihrem Trauma erholen und bisher nichts als Verkommenheit, Missbrauch, Elend und Ungerechtigkeit erfahren haben. Wieder ist ein Tag vergangen.

Die friedliche Abendstimmung ist durch die Ankunft einer Busladung von lachenden und kreischenden Kindern beendet. In dem einen Bus sind fast alle der 47 wilden Jungen, die wild-winkend und singend von einem dreitägigen Sportfest zurückkommen. Viele sind erst zwölf oder vierzehn Jahre alt, manche sogar nur acht oder zehn. Sie wurden aus den schrecklichen Gefängnissen befreit, wo so viele Krankheiten umgehen. Diese Woche werden wir drei weitere Kinder aus Gefängnissen befreien, der Jüngste ist elf Jahre alt.

Ich höre noch mehr fröhliches Geschrei und Gelächter, als der nächste Bus mit 37 Mädchen ankommt. Sie haben hier im Preda Kinderheim vor ihren Familien und Umständen, wo sie sexuell missbraucht wurden, Zuflucht gefunden. Wir haben sechs junge Mädchen von der Sexindustrie gerettet, und sie haben sich schon fast vollständig erhohlt.

Als sie zuerst in Preda ankamen waren sie verängstigt, zurückgezogen und traumtisiert vom Missbrauch durch einen überwältigenden Erwachsenen. Von ihrer Familie erhielten sie keine Hilfe. Das Schlimmste ist, dass Familien und Behörden den Missbrauch verleugnen und decken, um den Täter zu schützen. Am gefählichsten ist es, wenn der Paedophile ein Nachbar ist, und Lokalbehörden und die Polizei versuchen, die Familie mit Schmiergeldern abzuspeisen.

Mädchen finden Zuflucht in Preda
Jane is 14 Jahre alt und kommt aus einer sehr armen Familie. Ihre Eltern trennten sich als sie erst 11 war, und sie musste als Hausmädchen arbeiten, um den Unterhalt für ihre Brüder und Schwestern zu verdienen. Klein, ungeschützt und verwundbar wurde sie schnell die Beute ihres perversen Schwieger-Onkels. Dreimal wurde sie von ihm sexuell missbraucht.

Als seine Frau ihn dabei erwischte, verdeckte sie den Missbrauch und beschuldigte das Kind, ihren Mann verführt zu haben! Jane wurde zu ihrer Grossmutter geschickt und mit Bestrafung bedroht, wenn sie von dem Missbrauch erzählen würde. Geschockt und aus Angst vor Bestrafung zitternd, unterdrückte sie ihre Scham und ihren Schmerz. Zwei Monate später wurde Jane von ihrer Cousine, die in einem Preda Seminar über Kindesmisbrauch aufgeklärt wurde und die Situation verstand, zu Preda gebracht und fand dort Schutz vor ihrer verärgerten und rachesüchtigen Familie. Es passiert leider üpberall in der Welt, dass die Täter gedeckt und die Opfer beschuldigt werden. Jane ist jetzt ein willensstarkes und selbstbewusstes junges Mädchen und hat angefangen, gegen den Täter auszusagen. Die Familie des Täters bittet um Vergebung und möchte, dass Jane und Preda die Klage zurückziehen. Was sollen wir tun? Eure Meinung dazu würde uns interessieren.

Merlita, 17 Jahre alt, lief vor zwei Wochen von zu Hause weg und tauchte in Manila unter. Nach einem vezweifelten Aufruf von ihrer Mutter, fanden wir ihre Mobiltelefonnummer und schicketen ihr eine Textnachricht, in der wir Schutz und Hilfe anboten. Sie kam freiwillig ins Predaheim und erzählte uns, wie ihre Mutter sie zuerst für sechs Monate an eine Sexbar verkaufte, und sie dann nach Hause holte, wo ein älterer Mann auf sie wartete, um als ‘Partner’ mit ihr zu leben. Nachdem sie mehrere Wochen lang jede Nacht missbraucht wurde, lief sie weg. Langsam beginnt sie zu verstehen, dass es mehr gibt im Leben, als als Sexobjekt verkauft zu werden. Die Mutter hat inzwischen ihren Anteil zugegeben.

Die anderen zwei Mädchen, die ebenfalls neu angekommen sind, haben ähnliche herzenszerreissende Erfahrungen berichtet. Aber mit der Unterstützung, den positiven Beteuerungen und Ermutigungen des Predapersonals und der anderen Kinder, werden auch sie bald wieder glücklich werden und vor ihren Missbrauchern sicher sein.

Alle vier Kinder haben sich erfolgreich in das tägliche Leben der Mädchen im Preda-Kinderheim eingegliedert und machen bei den vielen Aktivitäten für Kinder mit. Am 8. März gingen alle Mädchen nach Manila und feierten mit aanderen Frauengruppen den internationalen Frauentag. Müde, aber glücklich, zu diesem bedeutungsvollen Ereignis einen Beitrag geleistet zu haben, besuchten sie von dort aus einen Zoo und hatten ein Mittagessen in einem Park in der Nähe.

Am 21. April machten sie bei einer Veranstaltung für Earth Day mit. Mit Mitgliedern von ‘Free the children – Japan’ pflanzten sie hunderte von Bäumen an den Bergen.

Kinder setzen sich für die Überwindung von Schwierigkeitn ein
In einen schwarzen Talar gekleidet schreitet die junge Frau stolz die Treppen zur Bühne der Hochschule hinauf. Eine Band spielt, die Menge applaudiert in diesem Augenblick des Glücks, als sie ihr Diplom empfängt. Nach Jahren von Kampf und harter Arbeit hat sie es geschafft: vom prostituierten Strassenkind zur qualifizierten Sozialarbeiterin.

Niemand klatschte lauter Beifall als die Vizesekretärin von Sozialwohlfahrt und Entwicklung, Lourdes Balanon, und ich. Es war ein phantastischer Augenblick. Marlyn lief mit 12 Jahren von ihrem Stiefvater, der sie sexuell missbrauchte, weg. Sie fand Arbeit, indem sie auf der Strasse Kosmetikprodukte verkaufte und wurde nach Boracay, einer florierenden Touristeninsel gebracht. Dort wurde sie in die Sexindustrie gelockt, ging mit einem Zuhälter nach Manila, wo sie ein anderes Kind namens Pia und einen Zuhälter namens Lani traf. Sie wurden an zwei Paedophile, einen Holländer und einen Deutschen, verkauft und zurück auf die Insel Borocay gebracht. Dort wurden die Paedophilen zunächst wegen Kindesmissbrauchs verhaftet, es gelang ihnen aber zu entkommen. Vizesekretärin Lourdes Balanon rettete die Kinder, die später zu Preda in Therapie gebracht wurden. Die Täter wurden angeklagt. Die Kinder sagten in Deutschland aus, und die Paedophilen wurden verurteilt. Heute ist Marlyn Sozialarbeiterin und Pia eine frisch qualifizierte Krankenschwesterhelferin. Ein anderes Kind, Gemma, wurde während einer unserer Operationen ebenfalls aus einer Sexbar befreit und hat heute stolz ihr Zertifikat als ausgebildete Krankenschwesterhelferin erhalten.

Kampagne gegen Kinderpornographie
Unser Preda-Personal wurde bereits zweimal zum Kommittee für Jugend, Kinder und Familie des philippinischen Senats eingeladen, um Fakten und Meinungen zu unterbreiten, die die Grundlage einer neuen Gesetzgebung bilden sollen. Dadurch sollen Kinder vor dem zunehmenden Übel der Kinderpornographie, vor allem über das Internet und Mobiltelephone, geschützt werden.

Filipino Kinder wurden selbst von ihren Eltern zu sexuellen Handlungen vor einer Live-Kamera, die mit dem weltweiten Internet verbunden ist, gezwungen oder verleitet. Kunden bezahlen mit Kreditkarte und können sexuelle Handlungen über das Telefon bestellen.

Preda unterbreitete den Vorschlag, dass Internet Service Anbieter (ISA) reguliert werden und durch ein Gesetz veranlasst werden, Perverse davon abzuhalten, illegale Bilder zu verbreiten. ISA müssen ihren Service kindersicher machen, dodass kein Kind aus Versehen solche Bilder sieht, wenn es das Internet benützt. Alex Hermoso, der Programmdirektor und Mitbegründer von Preda, war Anfang Mai als Gastsprecher an der Universität von Toronto zu einer Konferenz über das Gesetz und Kinderpornographie.

Kinder erhohlen sich von den Folgen widerrechtlicher Haftstrafen
Bislang wurden 47 Jungen aus Gefängnissen freigelassen, dank der positiven Haltung bestimmter Richter und einer neuen Regelung des Obersten Gerichts, das es den Richtern ermöglicht, die Kinder freizulassen, anstatt sie unbegrenzt und ohne Verurteilung im Gefängnis zu behalten.

Immer mehr Kinder kommen zu uns, als unser Werk wächst. Wir werben um Studenten in Jurafakultäten und Sozialfachbereichen der Hochschulen in Metro Manila, die als Freiwillige einige unserer Fälle übernehmen.

Wir gehen in die Gefängnisse und besuchen die Kinder überall in Metro Manila. Wir bringen medizinische Versorgung und behandeln ihre Wunden und Hautausschläge. Wir arbeiten an ihrer Rechtslage und bemühen uns darum, dass das Verfahren gegen sie aufgehoben wird. Wir versuchen die Kläger davon zu überzeugen, die Anklage fallen zu lassen. Wir fragen die Richter ob wir die Jugendlichen beaufsichtigen können, während sie auf ihre Gerichtsverhandlung warten. In den meisten Fällen werden Jugendliche ohne Beweismaterial verhaftet, um ihnen ‘eine Lehre zu erteilen’. Die Straftat is gering, aber die Strafen sind hart, vergebungslos und können ein Leben lang nachwirken. Manche Jugendliche werden von älteren Kriminellen vergewaltigt. Wir veruchen eine separate Zelle für Minderjährige zu bekommen. Manche Gefängnisse habe dies eingeführt.

Klagen gegen Kinder fallengelassen
In den letzten 3 Monaten hatten wir gute Erfolge auf legaler Ebene. Das Verfahren gegen sechs Jugendliche wurde aufgehoben, entweder aus mangelnder Beweisführung oder weil die Kläger nicht vor Gericht erschienen sind. Kinder werden beschuldigt und ohne Beweise ins Gefängnis gebracht. Die Kläger kommen nicht zum Gericht und die Kinder bleiben im Gefängnis während die Anhörung vertagt und der Fall letztendlich aufgehoben wird. Viele Jugendliche werden beschuldigt, Lösungsmittel zu missbrauchen, Lebensmittel oder andere Dingle wie Mobiltelefone gestohlen zu haben. Meistens wird das Mobiltelefon zurückerstattet, aber die Bestrafung is streng. Wenn wir die Jugendlichen nicht rausholen können, bleiben sie monatelang eingesperrt. Die Justiz arbeitet im Schneckentempo, durchschnittlich eine Anhörung pro Monat.

Im Preda-Zentrum erhalten die Jugendlichen eine informelle Ausbildung, Therapie, moralische Bildung und Lebensunterhaltstraining, wo sie sich ein gutes wöchentliches Taschengeld verdienen können, damit sie sich auf dem Markt persönliche Sachen kaufen können. Durch moralische Bildung, in der Vertrauen und Verantwortung geweckt werden, können sie mit minimaler Beaufsichtigung kommen und gehen. Wir haben keine Wärter, verschlossene Gitter oder Strafen und somit keine Abtrünnigen. Für die Älteren geht es darum, Arbeit zu finden, für die Jüngeren geht es um die Wiedereingliederung in ihre Familien und Schulen. Gerard und Arman, 9 und 10 Jahre alt, waren die jüngsten Jungs, die die Preda – Sozialarbeiter bisher gerettet haben. Die Verfahren gegen sie wurden aufgehoben und die Kinder sind jetzt wieder bei ihren Eltern.

Öffentliche Aufklärung über Gefängnisbedingungen
Kaum jemand weiss wie es in den philippinischen Gefängnissen aussieht. Die meisten sind unmenschlich und Krankheiten grassieren: Malaria, TB, HIV-AIDS und jede Art von Hauttkrankheit. Dies war das Thema einer Photoausstellung, die Preda dank unseres Verwalters, Herrn Alfredo C. Antonio, innerhalb von Subic Bay Freeport Zone organisierte. Hunderte von Leuten besuchten die Photoausstellung. Sie waren bewegt von den ergreifenden Bildern von Gerard, Arman und den älteren Kindern und empört über die unmenschlichen Bedingungen. Die Besucher fühlten sich dazu aufgerufen, gegen die Misstände, denen schätzungsweise 58 000 Kinder jährlich ausgesetzt sind, zu protestieren. Ein dramatischer Film mit dem Titel ‘Die Jüngsten’ wurde während der Ausstellung gezeigt. Das Kino wurde mit seinen 567 Ssitzten dreimal gefüllt.

Präventative Aufklärung
Predas Team zur Aufklärung über Kinderrechte hielt ein grosses Seminar für Freiwillige von Metro Manila ab, die sich den Fällen der gefangenen Kindern annehmen, bis das Verfahren entweder eingestell wird oder das Kind zu Preda kommt. Dieses Team hat im ersten Quartal des Jahres 1162 Studenten erreicht. Damit soll der Trend gestopt werden wonach sexueller Missbrauch an Kindern nicht gemeldet wird, aufgrund von Unwissenheit, Scham oder Zahlung von Schmiergeldern.

Getränketütenrecycling: von Müll zu Gold
Das o.g.Team hat in bezug auf Müllentsorgung und Recycling auch zum Fair Trade Department eine Verbindung hergestellt. Recycling von Getränketüten aus Aluminium ist jetzt ein erfolgreiches fairer Handel – Projekt. Hunderte von Studenten und Abfallsammler in der Stadt verdienen sich Geld indem sie Tüten sammeln und an Preda verkaufen. Dort werden die Tüten von den Jungen und Mädchen nach der Schule gesäubert, wobei sie sich ein gutes Taschengeld verdienen. Anschliessend werden die Tüten zu Einkaufstaschen, Kinderrucksäcken und ähnlichem verarbeitet. Bis zu 50 junge Frauen und Mütter verdienen sich ein gutes Einkommen und die geschicktesten können den zweifachen Mindestlohn verdienen. Die fertigen Taschen werden in Weltläden nach Deutschland und Australien exportiert.

Ausbildung für june Beamte vor Ort
Diese Jahr startete Preda ein neues Projekt, indem Dorfbeamte darin ausgebildtet werden, ihren eigenen Bezirksrat zum Schutz von Kindern aufzubauen. Bisher haben sich 48 Dörfer an den Seminaren beteiligt.

Ausserdem leitet Preda auch Ausbildungsprogramme für 60 Polizei- und Sicherheitspersonal in der Subic Bay Freeport Zone zur Bekämpfung von Menschenhandel, Kinderpornographie und Kindesmissbruch. Dem Verdacht auf Kinderhandel durch den Yachthafen wird nachgegangen.

Fürsprache in den Medien
In den letzten Monten gab es in den Medien ausführliche Berichterstattungenüber das Therapieprogramm in Preda. Im April zeigte das nationale Fernsehen in eine Anthologie über das Leben von Pia Corvera, die, wie bereits berichtet, inzwischen eine qualifizierte Krankenschwesterhelferin ist. Pia ist diejenige die unverblümt für Kinderrechte eintritt und uns alle inspiriert. Millionen haben die Geschichte ihrer Misshandlung, Rettung und Rehabilitation in Preda verfolgt. Andere Jungen und Mädchen machten Interviews mit verschiedenen TV Sendungen wie z.B. The Probe Team, InqTV und The Correspondents. Alle werden auf nationaler Ebene ausgestrahlt und sind für ihre Reportagen bekannt. Die letzte Sendung war eine Dokumentation über unser Gefängnisaktionen und dauerte eine Stunde.

Internationale freiwillige Helfer
In den letzten Monaten hatten wir das Glück freiwillige Helfer, die sich für Preda einsetzen und engagieren, bei uns zu haben. Liesbeth, Geertruike, Elsien und Linda sind alle aus den Niederlanden, Jonas aus der Schweiz, Jana aus Deutschland und Helen und Diana sind aus Schweden. Die Freiwilligen gehen mit unseren Mitarbeitern in die Gefängnisse und zu Strassenkindern und sie leiten Gruppenspiele mit den Kindern in Preda. Sie unterstützen unsere Mitarbeiter und Kinder mit Freundschaft und Ermutigungen. Wir benötigen immernoch Leute aus dem Rechtswesen und Freiwillige, die sich mit Video-editing und Produktdesign auskennen.

Theatergruppe auf Tour
In den letzten Monaten hat sich die neue Theatergruppe ins Training und Proben gestürzt. Sie werden vom 19. Mai bis zum 17. Julie in Europa uaf tournee sein. Sie spielen in Deutschland, Österreich, Irland und Spanien.

Friede und Gottes Segen,

 

Fr Shay und die Preda Mitarbeiter und Kinder

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