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Wir hatten einen Traum! – junge Philippinos zu Gast

April 25, 2014 · 

Ganz besonderen Besuch empfing der Kurs Darstellendes Spiel Mitte März am WRG. Vier Jugendliche aus den Philippinen besuchten den Unterricht bei Frau Bals und tauschten sich mit den SchülerInnen der 11. Klasse aus. Anlass war ihr selbst erarbeitetes Musical: We once had a dream – einst hatten wir einen Traum. Schon der Titel gab Anlass zu Fragen, denn wieso reden Jugendliche bereits in der Zeitform der Vergangenheit von ihren Träumen, wo doch ihr ganzes Leben noch vor ihnen liegt?

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Die Antwort ist schnell gegeben und schockiert: Über 100.000 Kinder weltweit sind Opfer von Menschenhandel, ein Großteil von ihnen kommt aus den Philippinen. Sind die Eltern verschuldet oder verarmt, fühlen sie sich oft gezwungen, ihre Kinder ins Ausland zu verkaufen, wo diese ausgebeutet werden, oder aber als minderjährige Prostituierte illegal zum Arbeiten gezwungen werden. Manche Kinder werden aber auch im Land selbst von Sextouristen aufgesucht und sexuell missbraucht. Somit thematisieren die jungen Schauspieler eine Realität, die sie unerträglich und menschenunwürdig finden und rufen in ihrem Musical dazu auf, sich für Kinderrechte einzusetzen.

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Während am Morgen im Unterricht diese Themen nur theoretisch angesprochen wurden, erfuhren die WRG Schüler am gleichen Abend, wie die Umsetzung darstellerisch gelang. Im ausverkauften Andernacher Jugendzentrum, präsentierte die insgesamt siebenköpfige AKBAY Jugendtheatergruppe das Leben von Kindern, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Dabei merkte das Publikum gleich von Anfang an, dass das Thema den jungen Darstellern unter den Nägeln brennt. Mit nur wenigen Requisiten und einigen Kostümteilen, erzählten sie von den Lebensbedingungen, einer einfachen Familie, die ihre Pacht nicht mehr zahlen kann, und ihre 14 jährige Tochter daher nach Deutschland verkauft. Die Reise ins Ausland, die bei dem jungen Mädchen Ängste, aber auch Hoffnungen auslöst, stellt sich als ein einziger Verrat an ihrer Menschenwürde heraus. Gefangen in einem Hinterhof, erniedrigt und rechtlos, wird sie zur Prostitution gezwungen. Doch zum Glück gibt es Menschen, die sich für sie einsetzen und sich auf die Suche nach ihr machen, so dass sie am Ende aus diesem Schicksal befreit wird und zu ihrer Familie zurückreisen kann. Mit einem lautstarken und dringlichen Appell zur Solidarität wenden sich die Künstler, alle zwischen 16 und 25 Jahren an die Zuschauer, die sichtlich bewegt dem Geschehen gefolgt sind: Helft uns, dem Menschenhandel ein Ende zu bereiten. Gemeinsam können wir die Welt verändern, skandieren die jungen Menschen laut und deutlich.

Kein Wunder also, dass nach dem Theaterstück die Betroffenheit groß ist. Kann es wirklich sein, dass Kinder so leben müssen? Warum spielt das Stück in Deutschland – gibt es hier wirklich minderjährige und illegale Prostituierte? Wie kann es sein, dass Kinder einfach verkauft werden? Am nächsten Tag wird das Gesehene im Unterricht weiter aufgearbeitet und besprochen. Warum ging kein Spendentopf herum, will eine Schülerin wissen, dann wäre doch sicherlich viel Geld eingegangen? Die Antwort überrascht. Natürlich sammeln die philippinischen Gäste auf ihrer Tournee durch Deutschland auch Spenden. Aber viel wichtiger ist es ihnen, das Übel an der Wurzel zu packen. Wenn Familien etwa gerechte Preise für ihre landwirtschaftlichen Produkte erhalten, können sie sich von ihrer Arbeit ernähren und für sich und ihre Kinder ausreichend sorgen. Daher arbeiten die jungen Akteure alle mit der philippinischen PREDA Organisation zusammen, die durch fairen Handel mit Mangoprodukten, genau an diesem Punkt ansetzt. Durch den Kauf von fair gehandelten Produkten, etwa in Eine Welt Läden, sichert man das Einkommen der Familien und verhindert letztlich Menschenhandel. Im Unterrichtsgespräch wird allen bewusst, dass wir mit jedem Euro, den wir im täglichen Leben ausgeben, entscheiden, ob wir gerechte Strukturen unterstützen, die Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen, oder – getrieben von der Suche nach Schnäppchen – einen billigen Preis bezahlen, für den andere Menschen mit ihrer Würde, ihrer Gesundheit und oft sogar ihren Menschenrechten bezahlen. We still have a dream, meint eine Schülerin zum Abschluss der Diskussion. Und überlegt laut, ob nicht ein erster Schritt sein könne, fair gehandelte Produkte auch am Wilhelm-Remy Gymnasium zum Verkauf anzubieten. So wäre ein weiterer Schritt getan, um den Traum nach einem menschenwürdigeren Leben für alle näher zu kommen.

(-Christiane Bals, OstR’-) erschienen in den Nachrichten des Wilhelm-Remy-Gymnasiums Bendorf

 

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