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Warum der Klimawandel ein Geschäft und ein Problem für die Menschenrechte ist

May 25, 2015 · 

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By Von 3p Contributor am Freitag, 22. Mai, 2015

Von Eniko Horvath
Letzten Monat rief ein peruanischer Bauer das deutsche Energieversorgungsunternehmen RWE dazu auf, ihren Teil an dem Schutz seines Hauses vor der bevorstehenden Überflutung eines Gletschersees, der aufgrund des Klimawandels zu schmelzen beginnt, zu bezahlen. „Lange haben mein Vater und ich gedacht, dass diejenigen, die für den Klimawandel verantwortlich sind, dabei helfen sollten, die Probleme, die dadurch verursacht werden, zu lösen,“ erzählt Saul Luciano Lluiya den Reportern des Guardian. Er meint, die RWE, einer der größten Kohleemitter Europas, hat viel zu dem Treibhauseffekt beigetragen, der jetzt Schuld an dem Schmelzen des Gletschers ist, welches sein Zuhause und das vieler anderer Bewohner der Stadt Huaraz gefährdet.

Lliuyas Geschichte verdeutlicht die konkreten Einwirkungen der Menschen auf den Klimawandel, der zwischen hitzigen Diskussionen über die Reduktion von Kohleemissionen leicht vergessen wird. Das ist das Schlüsseljahr für Regierungen und Unternehmen, das Klima zu retten. In der Führung der allseits erwarteten Klimaverhandlungen in Paris, bereiten Nationen ihre Zusicherungen vor und Geschäftsführer entwickeln ihr Vorgehen in Treffen wie dem Business & Climate Summit diese Woche. Trotz der verheerenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Rechte auf Gesundheit, Wasser, Essen, Unterkunft, Existenzgrundlage und Leben, waren Menschenrechte ein Nebenzweig der Diskussionen.

Die Menschenrechte in das Zentrum der Diskussionen zu stellen, würde den Appell an die Nationen und Unternehmen verstärken, das Spiel in Ernst zu verwandeln. Internationale Experten, wie der ehemalige irische Präsident und Kommissionsmitglied für Menschenrechte der UN, Mary Robinson, haben erkannt, dass ein Fokus auf die Menschenrechte das Klimaabkommen von Paris stärken würde. Die Arbeitstruppe für Klimawandel-Gerechtigkeit und Menschenrechte der International Bar Association hat auch Verbindungen zwischen der Klimagerechtigkeit und einer gemeinsamen Verantwortung hergestellt, die klare Schritte für die Unternehmen vorschlagen.

Wie der Geschäftsführer von Unilever, Paul Polman, es ausdrückt, „Wir können die immensen Klimaprobleme nur bekämpfen, wenn wir auch die menschliche Dimension ansprechen.“ Trotzdem werden Klimawandel und Menschenrechte selbst bei den fortgeschrittensten Unternehmen selten angesprochen. Diese Verbindung hervorzuheben, würde internen Menschenrechts-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsverfechtern erlauben, innerhalb ihrer Unternehmen einen kühneren Weg einzuschlagen und so einen größeren Gewinn für die Verletzlichsten des Schadens zu erzielen.

Diese Gefährdeten vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen kann in die bereits vorhandenen Versuche gegen den Wandel, wie Abschwächung, z. B. der Kohleemissionen, und Anpassung, die Belastbarkeit der Gemeinden, in Hinsicht auf die Auswirkungen des Klimawechsels, zu stärken.

In den abschwächenden Schritten können interne Menschenrechtsverfechter für extreme Treibhausemissionsreduktionen argumentieren, mit Berufung auf die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Rechte auf Leben , Gesundheit, Wohnen, Wasser und Nahrung. Obwohl einige Unternehmen ihre Verpflichtungen in Bezug auf Schadensbegrenzung verstärken, ist der Ansatz bei weitem nicht universell . Ein Bericht der New Climate Institute legt nahe, dass die derzeitigen Abkommen für EU- Treibhausgasreduktionen 6.000 vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung verhindern würden.

Wenn weiter gestärkt , könnte es zusätzliche 40.000 verhindern. Diese Art von Verbindungen in einem wirtschaftlichen Kontext klar zu machen, wird dazu beitragen, das Argument für ehrgeizigere Ziele für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu bestärken.
Immer mehr Unternehmen erkennen die Notwendigkeit, ihre Lieferketten zu einer sich verändernden Umwelt durch den Klimawandel gebracht anzupassen. Wenn die Grundrechte allerdings in diesem Prozess nicht anerkannt werden, besteht die Gefahr , dass Anpassungsmaßnahmen kleinere Bauern und Gemeinden zurücklassen.
Besonders akut ist dieses Risiko in der Nahrungsmittelindustrie, wo die Unternehmen den Druck spüren, ihre Konzept zur Herstellung von Pflanzen, die sehr sensibel auf den Klimawandel reagieren, zu ändern. Eine kürzlich durchgeführte Studie ergab, dass Arabica-Kaffee vor ernsthaften Risiken von höheren Temperaturen und Überschwemmungen steht, die 25 Millionen Kleinbauern, die auf Kaffee für ihren Lebensunterhalt angewiesen sind, wären dadurch stark beeinflusst. Statt der Verlagerung der Produktion, schlägt die Studie vor, mit den örtlichen Landwirten zusammenzuarbeiten, um neue Ansätze für die Produktion zu entwickeln und Klima beständig Pflanzensorten einzuführen.

Oxfams „Hinter den Marken“ -Kampagne hat vor kurzem General Mills und Kellogg aufgefordert, eine Reihe von Maßnahmen gegen den Klimawandel, einschließlich klaren Anpassungsstrategien unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kleinbauern, zu implementieren. Die Unternehmen haben sich auf einen Aktionsplan, den sie zur Zeit durchführen, geeinigt,was ein lobenswerter Schritt ist. Oxfam fordert alle “Big 10” Lebensmittel- und Getränkeunternehmen dazu auf, diesem Beispiel zu folgen.

Anpassung bedeutet auch verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen, die essentiell für die Lebensmittelindustrie sind, wie zum Beispiel Wasser und Land. Knappheit an diesen Ressourcen hat verheerende Auswirkungen auf Familien, die versuchen, ihre Kinder zu ernähren, den Zugriff auf Wasser für Gemeinden und die Existenzgrundlage der Bauern. In Anerkennung dieses inhärenten Konflikts ist es wichtig, sicherzustellen, dass die Grundrechte der örtlichen Gemeinschaften respektiert werden. Doch einer aktuellen Studie von Ceres nach, räumen nur 7 aus 37 Unternehmen ein, dass “der Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen grundlegende Menschenrechte sind.” Interne Sensibilisierung über die Bedeutung der Menschenrechte würde zu einem konfliktfreieren und gerechteren Anpassungsprozess zu führen.
Jetzt ist die Zeit für Unternehmen, ihr Potenzial für verantwortungsbewussten Klimaschutz auszunutzen. Gesundheit, Wohnen und Leben der heutigen und zukünftigen Generationen hängt davon ab. Menschenrechte in den Mittelpunkt der Maßnahmen gegen den Klimawandel der Unternehmen zu stellen, bietet nicht nur greifbare Rahmenbedingungen nach denen man handeln kann, sondern es stellt auch sicher, dass Unternehmen sich mit den Auswirkungen auf die am stärksten Gefährdeten befasst.
Eniko Horvath ist ein Forscher am Business & Human Rights Resource Centre, das sich mit Klima-Gerechtigkeit und der Umsetzung der UN Guiding Principles on Business & Human Rights befasst.

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