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Mangos, Mut und Menschenrechte

September 9, 2011 · 

Pater Shay Cullen kämpft unerschrocken für soziale Gerechtigkeit und für die Rechte von Kindern. Sein Besuch in Kirchheim am Mittwoch hinterließ beeindruckte Gastgeber.

Michael Kraft

Kirchheim. Eingeladen wurde der gebürtige Ire, der als Missionar auf den Philippinen arbeitet, vom Eine-Welt-Verein Kirchheim. Die Eine-Welt-Aktiven der Teckstadt hatten im vergangenen Jahr, in dem Kirchheim sein Stadtjubiläum feierte, Geld für die philippinische Kinderhilfsorganisation Preda gesammelt, deren Mitbegründer und Direktor Pater Cullen ist. Seinen Dank sprach der Gast von den Philippinen jetzt bei einem Besuch im Weltladen des Eine-Welt-Vereins persönlich aus.

Nach Kirchheim brachte Pater Cullen eine ganze Reihe von Fotos und Berichten mit, die die traurige Realität in den philippinischen Elendsvierteln, Bordellen und Sexbars zeigen – drastische Zeugnisse einer Welt voller Schmutz, Korruption, Gewalt und Unmenschlichkeit. Angesichts dessen erscheint der Einsatz von Pater Cullen und seinen Mitstreitern fast zu schön, um wahr zu sein. Wer im Weltladen dabei war, konnte sich jedoch mit eigenen Augen überzeugen, wie der Mut, die Standhaftigkeit und die Beharrlichkeit einiger weniger solche Verhältnisse verbessern können.

Pater Cullen zeigte dort zum Beispiel ein Foto. Ein magerer, verzagter kleiner Junge blickt darauf in die Kamera, der Blick stumpf, die dünnen Arme übersät mit Infektionen, bekleidet nur mit einer kurzen Hose, die ihm viel zu groß ist und mit einem Strick zusammengehalten wird. „Die­se Hose war das Einzige, was er besaß“, schilderte der Pater. „Dieses Bild zeige ich manchmal jungen Menschen hier im Westen, die klagen, dass sie nicht genug anzuziehen hätten.“ Und dann noch ein Foto – derselbe Junge, nachdem ihn die Helfer von Preda von der Straße gerettet und sich seiner angenommen hatten: die Augen klar, ruhig und fröhlich, das Gesicht von gesunder Farbe und entspannt, gut genährt, sauber und ordentlich angezogen. Dazu Bilder von jungen Frauen, eigentlich eher kleinen Mädchen, die Preda aus Kinderbordellen und Sexbars befreit und ihnen ein friedliches, beschütztes Zuhause gegeben hat, in dem sie frei von Bedrohung und Misshandlungen aufwachsen können.

Der Ausweg von Preda aus Armut und Abhängigkeit heißt Fairer Handel mit Mangos. Diese Früchte, in deutschen Geschäften als Luxusobst gehandelt, wachsen auf den Philippinen in einer ähnlichen Fülle wie hierzulande Äpfel. Preda nimmt den philippinischen Kleinbauern ihre Mangos zu einem Preis ab, der deutlich über dem Weltmarktniveau liegt, zahlt Zuschläge beispielsweise für eine Krankenversicherung oder für Kampagnen zum Schutz der Umwelt. Überschüssige Gewinne fließen in Projekte, die soziale Gerechtigkeit fördern. Sie helfen beim Kampf gegen Ausbeutung und Menschenhandel, retten Frauen aus der Prostitution oder Kinder aus Gefängnissen, in denen unmenschliche Zustände herrschen und in denen sie für kleine Vergehen wie Mundraub oder Bettelei sitzen. Im Kampf gegen diese Missstände hat Preda eine wirkungsvolle Waffe: Man macht Fotos dieser Zustände öffentlich oder droht den Behörden zumindest damit.

Sein mutiger und erfolgreicher Einsatz für soziale Gerechtigkeit und vor allem für die Rechte von Kindern brachte dem Pater aus Irland viele Auszeichnungen ein – und in den Jahren 2001 und 2003 zwei Nominierungen für den Friedensnobelpreis. Den Menschenrechtspreis von Weimar bekam er 2000, den der italienischen Stadt Ferrara im Jahr darauf. Als die schweizerische Caritas 2003 ihren Preis für Menschlichkeit schuf, hieß der erste Preisträger Pater Shay Cullen.

Der Besucher von den Philippinen weiß seit dieser Woche, wie Kirchheim von oben aussieht. Oberbürgermeis­terin Angelika Matt-Heidecker empfing den Gast aus Südostasien, führte ihn auf den Turm des Rathauses und ließ ihn in luftiger Höhe einen Blick auf die Teckstadt werfen, bevor sie ihm im Ratssaal die Porträts von adligen Stadtherren vergangener Jahrhunderte zeigte.

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