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Hofheim für Fairness geehrt

February 10, 2012 · 

Bitterer Kaffee vermittelte früher bittere Wahrheiten über die bitteren Folgen des Welthandels

Über 500 Fairtrade-Towns gibt es in England. Die Bewegung breitet sich weltweit aus, über 60 Fairtrade-Städte gibt es inzwischen in Deutschland.

Von Hanspeter Otto

Hofheim für Fairness geehrt

Fairtrade-Bannerträger: Wolfgang Vater, Günter Adam, Matthias Henrich, Wolfgang Exner, Gisela Stang und Manfred Holz. FOTO: Nietner

Hofheim. Etwas mehr als 1000 Städte weltweit dürfen sich mit der Auszeichnung schmücken, seit gestern gehört Hofheim dazu. Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz hat Bürgermeisterin Gisela Stang und Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Vater die Urkunde überreicht. Der Auszeichnung war die Bewerbung Hofheims vorausgegangen, die auf einen Antrag von CDU, Grünen, SPD und BfH in der Stadtverordnetenversammlung zurückging. Hofheim erfüllt alle fünf Kriterien für eine Bewerbung.

Eines der Kriterien ist der Beschluss der Kommune, dass es in Sitzungen der Gremien und im Bürgermeisterbüro nur noch fair gehandelten Kaffee gibt. Außerdem muss das Parlament die Bewerbung beschließen.

Dann muss es eine Steuerungsgruppe geben, die alle Aktivitäten koordiniert. Auch damit kann Hofheim dienen, der Gruppe gehören das Katholische Bezirksbüro, der Weltladen, der IHH, die Katholischen Pfarreien St. Georg und St. Bonifatius sowie St. Peter und Paul, die Stadt, die Lokale Agenda, die Friedensinitiative, der Eine-Welt-Kreis der Thomasgemeinde, die Bürgermeisterin und der Freundeskreis Hofheim-Tenkodogo an.

Im lokalen Einzelhandel und in der Gastronomie, das dritte Kriterium, werden fair gehandelte Waren angeboten – in Hofheim werden es immer mehr, darunter nicht nur Lebensmittelläden und Cafés, sondern auch ein Modehaus – und die vierte Anforderung, dass es in öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Vereinen und Kirchen faire Produkte und Bildungsveranstaltungen zum Fairen Handel gibt, wird auch erfüllt. So werden in Kirchengemeinden regelmäßig fair gehandelte Produkte verkauft, und in der Fastenzeit gibt es Eine-Welt-Essen, bei denen die Informationen über die Probleme des Welthandels und dessen Auswirkungen auf die Bevölkerung Afrikas, Asiens und Südamerikas im Vordergrund steht. Beim Misereor-Solidaritätsgang sind in acht Jahren über 250 000 Euro zusammengekommen.

Es gibt auch direkte Beziehungen zwischen Kirchengemeinden in Hofheim und Brasilien oder auf den Philippinen. Bei der Titel-Verleihung zeigte Günter Adam vom katholischen Bezirksbüro in einem Film am Beispiel der Fair-Trade- Beziehungen zur Preda-Stiftung auf den Philippinen, warum sich die kirchlichen Gruppen dort engagieren und welche Ziele sie verfolgen. Als Beispiel diente die Verarbeitung und der faire Handel mit Mangos.

Neueste Gruppe unter den eine-Welt-Initiativen in Hofheim ist der Freundeskreis Hofheim-Tenkodogo. Der seit 2010 eingetragene Verein wurde nach einer Reise von zehn Hofheimerinnen nach Burkina Faso und speziell nach Tenkondogo, einer Partnerstadt Chinons, gegründet. Gemeinsam mit Chinon hat sich Hofheim schon an verschiedenen Projekten in der burkinischen Kommune beteiligt, nun wird sich die Stadt auf Wunsch der Afrikaner direkt in Tenkendogo engagieren. Auf schiere Begeisterung ist der Vorschlag, sich dort zu engagieren, seinerzeit nicht bei allen Fraktionen im Stadtparlament gestoßen. Angesichts seiner finanziellen Lage könne sich Hofheim ein Engagement nicht leisten, wurde damals argumentiert, man werde sich auf “kostenneutrale” Aktionen beschränken, beschloss schließlich die Mehrheit. Heute laufen die Beziehungen Hofheim-Tenkondogo über den Verein, der über Burkina Faso informiert und sich, abgestimmt mit Chinon, um die Verbesserung der Lebensbedingungen in der Stadt bemüht.

Der Einsatz für die damals noch 3. Welt genannten Entwicklungsländer hat in Hofheim aber schon eine jahrzehntelange Tradition. Fairer Handel spielt dabei eine wichtige Rolle. Studenten aus den Kirchengemeinden beider Konfessionen beschlossen nach einer ökumenischen Fastenaktion 1981, fair gehandelte Ware in Hofheim zu verkaufen und die Bevölkerung über höchst fragwürdige, ungerechte Spielregeln der Weltwirtschaft zu informieren. Verkauft wurden zunächst jeden Samstagvormittag im Vorbau von St. Peter und Paul bitterer Kaffee und ein paar andere Waren, deren Qualität fragwürdig war. Heute schmeckt der Kaffee, und der Weltladen in der Hauptstraße 22 spricht von Produkten zum “Fairwöhnen”.

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