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Gute Berührungen

March 12, 2013 · 

Weltladen-Mitarbeiterin Anneluise Kämmerer arbeitet drei Monate lang im „Außendienst“

Es ist bewundernswert, was hier Tag und Nacht für die Kids getan wird. Bis 8 Uhr ist Frühstück, danach beginnt das tägliche Meeting. Da wird bekanntgegeben, was geplant ist, Feedbacks von den Mitarbeitern und auch von uns Volontären über Aktivitäten am Vortag werden eingeholt. Danach liest Father Shay eine Bibelstelle vor. Er bespricht dann die Stelle und bezieht sie auf unsere Arbeit hier. Nach einem kurzen Gebet entlässt er uns – meist mit „Let‘s go action! – ab in den Tag!“ Fr. Shay hat hier alles fest im Griff, und das ist auch gut so. Er ist über alles informiert, was so passiert. Er hat immer ein offenes Ohr für Fragen und Sorgen. Fragen hatte ich schon, Sorgen hab ich keine.

Traumatisierte Mädchen. Hier in unserem Haus sind noch die Mädels untergebracht, bis das neue „Girls-home“ fertig ist. Wenn ich hier bleibe, verbringe ich ein wenig Freizeit mit ihnen, bastle, spiele, lache und kuschle mit ihnen. Inzwischen kann ich ganz gut damit umgehen, dass sie fast keine Ausdauer haben, dass sie momentan begeistert sind und dann einfach alles hinschmeißen und nur gekuschelt werden wollen. Manche habe ich fast noch nichts sagen gehört. Sie deuten nur, wenn sie etwas wollen. Alle Kinder hier haben ein Trauma wegen ihres erlebten sexuellen Missbrauch oder häuslicher Gewalt. Ich habe schon einige Gerichtsakten durchgelesen, weil ich ja bei Hearings in Manila dabei war. Unglaublich, was da alles passiert ist.

Hausbesuche. Die Kinder werden hier therapiert und umsorgt und schön langsam auf den Weg ins Leben geführt. Es dauert aber oft Jahre, bis es so weit ist. Zwischendurch werden Hausbesuche gemacht, da war ich auch schon dabei. Eine Sozialarbeiterin spricht mit den Angehörigen und macht sich ein Bild vom „zuhause“, und die Kinder sind sehr froh, ein wenig zu Hause zu sein.

Präventionsarbeit. Bei Aufklärungsfahrten in diverse Schulen wird den Kindern mit Handpuppen spielerisch erklärt, was „good touches“, also gute Berührungen und „bad touches“, also schlechte Berührungen sind, und wohin sie sich wenden können, wenn sie missbraucht werden – und dass sie bei PREDA immer Hilfe finden und wissen, dass PREDA gut für sie ist. Mir ist ja nicht fremd, wie Menschen hier im Süden oft leben müssen, aber wenn man die Geschichte dahinter kennt, ist es schon brutal. Ich war auch bei den Hausbesuchen bei einige Buben dabei. Da hab ich zu mir – nur im Gedanken – gesagt, dass ich wahrscheinlich auch die Straße wählen würde.

Die Schauspieler von „Tatort“ waren inzwischen auch hier. Ihr Verein hat das „Girls-home“ mit finanziert. Sie sind eine Woche da gewesen und hatten natürlich auch viel vor. An einem Nachmittag waren wir gemeinsam im „Girls-home“. War sehr nett mit ihnen – so ganz ohne Allüren – wahrscheinlich weil wir das gleiche Ziel haben.

Gottesdienst. Am Sonntag war ich am Abend beim Gottesdienst, den Fr. Shay mit den Mädels gestaltet. Hier sind alle dabei, die Kleinen und auch die Großen, die aus Bars und Bordellen befreit wurden. Letztes Wochenende haben sie wieder drei Mädchen befreit. Es ist total nett, es wird viel gesungen, die Mädels lesen die Lesung und Fürbitten. Und dann am Schluss scharen sich alle um “ihren“ Fr. Shay.

HINTERGRUND

Die PREDA-Stiftung

Father Shay Cullen hat es sich mit seiner Stiftung zur Aufgabe gemacht, notleidende, vor allem sexuell ausgebeutete Kinder und Jugendliche auf den Philippinen zu unterstützen. PREDA ist ein Akronym mit der Bedeutung „Peoples Recovery, Empowerment and Development Assistance Foundation“. Die Mitarbeiter kümmern sich um Mädchen und Burschen, die in Bordellen, auf der Straße, oder in der eigenen Familie sexuell missbraucht werden. Darüber hinaus versucht PREDA ausländische Regierungen davon zu überzeugen, dass Staatsangehörige strafrechtlich zu verfolgen sind, die im Ausland Kinder missbrauchen. In den Medien ist die PREDA Stiftung bekannt geworden, da sie eine wesentliche Rolle bei der Verurteilung von Kindersextouristen auf den Philippinen spielt.

Fairer Handel. PREDA unterstützt landesweit 26 Gruppen, die qualitativ hochwertiges Kunsthandwerk herstellen. Von PREDA erhalten die Produzenten zinslose Darlehen für die Produktion und Entwicklung ihrer Erzeugnisse sowie Zugang zu internationalen Märkten. Darüber hinaus bekommen die Handwerker vom PREDA-Fair-Trade-Team auch Unterstützung beim Aufbau der Infrastruktur ihrer Dörfer und beim Design ihrer Produkte.

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