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FAIR TRADE – eine Hauch von Gerechtigkeit

July 3, 2014 · 

von Fr. Shay Cullen

Ich liebe es, die Dörfer der Aeta, der indigenen Bevölkerung von Zambales, wo ich die letzten 45 Jahre gearbeitet habe, zu besuchen. Diese ursprünglichen Filipinos leben seit Tausenden von Jahren auf der nördlichen Insel des tropischen Archipels; Einige Anthologen meinen, dass sie dort schon seit 30.000 Jahren heimisch sind. Ich stieg die grasigen Hügel hinauf, die einst Heimat ihrer Vorfahren und von urzeitlichen Regenwälder bedeckt waren, bis diese zur Jahrhundertwende dem Holzeinschlag zum Opfer fielen und mittlerweile fast ganz verschwunden sind. Die Zerstörung dieser Wälder trug zur weltweiten Klimaerwärmung bei.

Durch den Verlust ihres Lebensraums waren auch die Aetas kurz vor ihrem Untergang. Zuvor lebten diese behutsamen, friedlichen und liebevollen Menschen als Waldbewohner, Jäger und Sammler. Durch das Verschwinden der Wälder wurden auch die Wildtierebestände waren stark dezimiert. Somit verloren die Aeta ihren traditionellen Lebensstil. Aber sie lernten, ihre Gebiete zu hegen und zu bewirtschaften.

Allerdings war das Leben alles andere als idyllisch und die Menschen lebten unter extrem rauen und schwierigen Bedingungen, unter denen sie nur mithilfe ihrer einzigartigen Fähigkeiten überleben konnten. Größtenteils leben sie in einfachen Hütten aus Bambus und verfilztem Grass, welches in Überfluss in den umliegenden Hügeln wächst. Die Abforstung ist eines der größten Verbrechen, unter denen die philippinische Bevölkerung leidet.

Die Aeta haben von ihren Vorfahren gelernt, Wunden und Infektionen mithilfe von Kräutern zu versorgen, durch Baumrinden und -säften der Malaria zu widerstehen und Erkältungen und Grippen mit einer Mischung aus pflanzlichen Säften und Tees zu kurieren. Durch ausgewogene Ernährung mit Wildbeeren, Honig, Gemüse, Mangos und anderen Früchten sowie Hühnchen oder Wildschwein zu besonderen Anlässen konnten sie ein starkes Immunsystem aufbauen.

Die wichtigsten Früchte sind dabei die Mango, die Guava, die Guyabano, die Calamansi und die Kokosnuss. Reis ist das Grundnahrungsmittel. Die Aeta haben sich an jede Situation angepasst: Sowohl an die Klimaerwärmung, soziale Umbrüche, exogene Krankheiten, Kriege und Landraub als auch an Mangelernährung, Isolation und Rassendiskriminierung. Sie haben sich an den Verlust ihrer Wälder und ihrer Länder angepasst. Sie sind großartige und erstaunliche Menschen.

In der Gemeinde Batiawan traf ich eine runzelige alte Dame, die vor Freude strahlte, als ich und die zwei Freiwilligen, die mich begleiteten, ihre Einladung annahmen, vor ihrer kleinen Bambushütte einen Drink aus Kokoswasser zu teilen. Dann griff sie in einen selbtsgeflochtenen Korb und zeigte uns eine Mango. Diese war von einem hoch aufragenden Mangobaum, der Schatten vor der starken Morgensonne spendete und die kleinen Hütten vor Taifunen schützte, geernet.

Die Mango war gerade am Reifen, größtenteils grün mit einem leichten Gelbstich. Die Dame schnitt die Frucht längsseitig und reichte mir und meiner Begleitung jeweils ein Stück. Wir genossen diesen herben süß-sauren Geschmack und ich dachte mir, dass dieses Geschmackserlebnis wohl einzigartig in der Welt war. „Sie haben so viele wilde Mangos hier, können Sie diese nicht für hohe Preise auf den Märkten verkaufen und damit viel Geld verdienen?“, fragte ich die Dame mit dem Namen Maria.

„Die Arbeit lohnt sich nicht“ antwortete sie mir. „Die gefährliche Arbeit der jungen Männer, die Bäume hinaufzuklettern, die Früchte zu sammeln und viele Kilometer zu den Märkten zu schleppen, bringt nicht einmal soviel Geld ein, um ein paar Kilo Reis zu kaufen. Wir lassen die Früchte auf den Boden fallen und nehmen uns, was wir gerade brauchen.“

Ich stand auf und sah mir die Umgebung an. Das Gebiet war tatsächlich übersät mit verrottenden Mangos. Ich dachte mir, was für ein schrecklicher Verlust das war und wie die Aeta diskriminiert wurden. Ich wollte helfen, wusste allerdings nicht wie.

Viele Jahre später fand ich heraus, dass es einen großen Markt für Trockenobst gibt und erinnerte mich an die Tausenden von Mangos, die überall in der Aeta-Gemeinde in Batiawan und in vielen Anderen verstreut waren. Ich fand einen Geschäftspartner, der die Mangos weiterverarbeiten würde und kaufte die Mangos von den Kleinbauern der Aeta.

Die Aeta und die Kleinbauern organisierten sich und bekommen nun einen hohen, fairen Preis für ihre Mangos, der bis zu 200 Prozent über dem Preis liegt, den die kommerziellen Händler zahlen. Zudem gibt es verschiedene Entwicklungsprojekte und Bonuszahlungen an die Farmer.

Neben der qualitativ hochwertigen getrockneten Mango ohne chemische Zusatz- und Farbstoffe und ohne Konservierungsmittel gibt es eine komplett zuckerfreie Mango, die sich durch ihren herben, natürlich süßen Geschmack auszeichnet. Die Produkte verkaufen sich gut und wir können durch die Einnahmen missbrauchten und ausgebeuteten Kindern helfen.

Es ist also nicht nur der gute Geschmack und eine bewusste Ernährung, es tut auch spirituell gut. Damit meine ich, dass der Käufer eines Fair-Trade-Produktes nicht nur eine bessere Lebensweise praktiziert, sondern auch den Kleinbauern, den Aeta und den missbrauchten Kindern hilft.

Preda Fair Trade bringt in erster Linie wirtschaftliche Gerechtigkeit für die Ärmsten der Armen. Fair Trade verbessert ihren Lebensstandard, gibt ihren Kindern die Möglichkeit, zur Schule zu gehen und macht diese Welt wird zu einem besseren Ort für alle. Jeder von uns kann seinen Teil dazu beitragen, indem er Fair-Trade-Produkte unterstützt, bewusst einkauft und so für mehr Gerechtigkeit sorgt.

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