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Die Migrantenkinder, die durch die Wüste kamen

May 8, 2015 · 

El Paso, Texas. Nur ein paar Kilometer außerhalb von El Paso, an der Grenze zwischen den USA und der mexikanischen Stadt Ciudad Juarez, lehne ich mich gegen den weiten Drahtzaun, der die Flut an Migranten und Asylsuchenden aus Zentralamerika und Mexiko zurückhalten soll, die hierher kommen, auf der Suche nach der Sicherheit und dem wirtschaftlichen Erfolg der USA. Abgesehen von wenigen Häusern auf der mexikanischen Seite ist es still und verlassen. Hier werden keine Flüchtlinge vor Gewalt und Armut versuchen, die Vereinigten Staaten illegal zu betreten, für eine erfolgreiche Flucht ist es zu stark bewacht.
Es geschieht hier an diesem Zaun, die spirituelle Einheit zwischen den Bewohnern auf beiden Seiten der Grenze wird erneuert und gestärkt durch die jährliche eucharistische Feier, die von Hunderten auf jeder Seite besucht und von amerikanischen und mexikanischen Bischofs ausgetragen wird. Mein Leiter, Columban Missionar Roberto Mosher, zeigt in Richtung Mexiko auf die Gemeinde in Rancho Anapra, wo seine Kollegen Fathers Kevin Mullins und Bill Morton denen, die durch die Gewalt geliebte Menschen verloren haben und durch den Grenzzaun von Freunden und Verwandten getrennt wurden, Trost, Unterstützung und Inspiration überbringen.

Juarez wird die gefährlichste Stadt auf der ganzen Welt genannt. Allein in 2010 wurden dort 3000 Menschen ermordet. Die Anzahl derer, die zwischen Januar und März 2015 getötet wurden beträgt 81 und es wird erwartet, dass sie noch ansteigt.
9/11 hat dem einfachen Kommen und Gehen über die Grenze ein Ende gesetzt. Nun stehen strikte Überwachung, Wachsamkeit und Festnahmen an der Tagesordnung.

Aber weiter entlang der Grenze verläuft sich der Zaun und die Wüste übernimmt seinen Platz. Hunderte Migranten ertragen die Gefahren und das Todesrisiko in der ausgetrockneten Wüste unter der lodernden Sonne. So groß ist ihre Verzweiflung, der Armut und Not zu entkommen und sich mit ihren Verwandten in der Sicherheit der USA zusammenzuschließen. Viele sterben in der Wüste, verlassen von ihren bezahlten Führern, den „Kojoten“.

Die Tausenden, die versuchen es über die Grenze zu schaffen, fliehen vor der grausamen Armut, vor Landraub, politischer Unterdrückung, Polizei- und Ganggewalt der Drogenkartelle, die ihr Leben und das ihrer Kinder gefährden. Die unsichersten Länder sind Mexiko, Guatemala, Honduras und El Salvador. Oligarchien, bestehend aus einigen wenigen sehr reichen Familien, erlauben wirtschaftliche Ausbeutung und beherrschen die armen und ausgebeuteten Länder durch brutale Polizeitruppen.

Viele dieser Kinder, die es über die Grenze schaffen und Asyl beantragen, werden festgenommen, manche werden an Verwandte in den USA übergeben, um die Entscheidung über den Asylantrag zu erwarten. Viele sind erfolglos und werden wieder in die gefährlichen, brutalen und krieg-ähnlichen Straßen Mexikos abgeschoben.

Im Oktober 2014 wurden sechs Menschen erschossen, getötet von der mexikanischen Polizei, während sie in die Stadt Chilpancingo, die Hauptstadt von Mexikos Guerrilla-Kämpfen, einmarschierten, um gegen das Verschwinden der 43 Studenten zu demonstrieren. Später wurde aufgeklärt, dass die Schüler durch die Polizei einer Gang übergeben wurden, um sie hinrichten zu lassen. Der örtliche Bürgermeister wurde festgenommen und angeklagt, für die Ermordungen verantwortlich zu sein. Des Weiteren wurden 22 Beamte aus Iguala festgenommen und des Mordes angeklagt.

Dies ist nur ein Beispiel für die gesetzlose und drogenbedingte Gewalt, die verzweifelte Menschen Richtung Norden an die Grenze lockt, in der Hoffnung auf Arbeit mit der sie ihre hungrigen Familien unterstützen können und auf Sicherheit für die flüchtenden Kinder.
Im September 2014 war die Anzahl von Kinder, die unbegleitet über die Grenze geschickt wurden, von 20.000 (2009) auf 60.000 gestiegen.
Viele der jungen Frauen und Kinder sind stark gefährdet durch Menschenhändler, und das sogar bevor sie die Grenze überqueren. Sie werden versklavt und in Bordellen in Juarez gehalten, eine Stadt der Drogenkartelle und kriminellen Menschenhändlern. Sextouristen aus dem Norden reisen dorthin, um die jungen, unschuldigen Körper auszubeuten, die für immer von den Tätern festgehalten werden. Das ist das Schlimmste an der Migrationskrise.

Die Reichen und Wohlhabenden von Juarez sind nach El Paso gezogen, eine der sichersten Städte der Vereinigten Staaten. In den USA leben ungefähr 11 Millionen Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis. Ein Gesetz, das ihnen einen Weg zur Staatsbürgerschaft ermöglicht hätte, wurde von dem Kongress abgelehnt, der von der republikanischen Partei beherrscht wird.

Wenn Kinder aus einem Land, das nicht Mexiko und Kanada ist, illegal in die USA kommen, werden sie, während dem weiteren Prozess, in einen sicheren Zufluchtsort gebracht, dies kann bis zu 35 Tage dauern. Das geschieht aufgrund des Anti-Menschenhandel-Gesetztes von 2008.

Gott weiß, wie viel Fürsorge, Mitgefühl und Schutz die Opfer dieser Verbrechen brauchen. Die Vereinigten Staaten können dies für wenig oder gar keine Kosten bereitstellen. Ein neues Gesetz gegen Menschenhandel wurde am 22. April 2015 verabschiedet. Es verspricht nur, dass die finanzielle Hilfe für diese Opfer von dem konfiszierten Geld der Menschen- und Drogenhändler kommt.

Trotz allem ist es nur eine Gemeinschaft von sich sorgenden Menschen, die diesen jungen Menschen,die die emotionale Unterstützung, Verständnis und Mitgefühl entgegenbringen können, die sie unbedingt brauchen. Der bürokratische Prozess für Kinder muss gekürzt werden und weniger beschwerlich und beängstigend gemacht werden. Für ausgebildete Betreuer sollte ein einfacherer und besserer Zugang hergestellt werden, damit sie diese unglücklichen, verschreckten und traumatisierten Kinder freundlich und aufgeschlossen willkommen heißen können. shaycullen@gmail.com

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