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Die Gefangenschaft der Kinder und die der Nation

January 16, 2014 · 

Von Fr. Shay Cullen

Die Geschichte von Rosemarys Befreiung ist erfreulich und ermutigend. Wenn wir solche Geschichten über kleine Kinder wie Rosemary lesen, die aus den Fängen von verkommenen Leuten befreit wurden, dann jubeln wir. Doch wir sind uns dabei vielleicht nicht bewusst, dass Hunderttausende nicht befreit werden, die ebenso Missbrauch erlitten haben wie Rosemary, die als 14-jährige dem Menschenhandel zum Opfer fiel und in die sexuelle Sklaverei verkauft wurde. Sie wurde befreit, sicher untergebracht und geheilt, während es vielen anderen nicht so erging. Eine Wohltätigkeitsorganisation wie die Preda Foundation mit ihren knappen Mitteln hat leider nur begrenzte Möglichkeiten.

Wenn Kinder von staatlichen Sozialarbeitern, der Polizei oder Arbeitern einer Wohltätigkeitsorganisation gerettet werden, applaudieren wir und stimmen dem zu, wobei unsere Bewunderung für gute und gut organisierte Regierungseinrichtungen wächst. Die Regierung wird von den Menschen gewählt, wird mit öffentlichem Vertrauen ausgestattet und von Steuergeldern bezahlt, um dem Allgemeinwohl zu dienen. In Entwicklungsländern wie in den Philippinen wurden die Regierungsbehörden jedoch eine nach der anderen von den Reichen in Besitz genommen, damit diese ihnen dienen anstatt den Armen. Das ist der Grund dafür, dass Menschenhandel und Ausbeutung stetig zunehmen.

Dies spielt sich nun schon seit vielen Jahren so ab. Präsident Aquino sagt, dass er es auszutilgen versucht. Hunderttausende haben kaum genug zum Überleben angesichts von schrecklicher Armut und Hunger und Kinder sind dabei am stärksten gefährdet. Sie taumeln am Rande des Abgrunds, in dem elendige Armut lauert. Dies wird nun in all seiner Schande deutlich angesichts der Raserei von Taifun Yolanda (Haiyan). Er legte die sich ausbreitenden Slums offen und und riss die fragilen Strukturen der elendigen Hütten so vieler Armer nieder. Schreckliche Armut wurde dabei schandvoll entblöst.

Solch Armut und soziale Ungerechtigkeit führt zu Aufruhr, zu Unterernährung, Krankheit und Leiden. Ökonomen meinen, dass die Philippinen über eine stark wachsende Wirtschaft verfügt, die Reichtum hervorbringt – aber Reichtum für wen? Nur sehr wenig davon erreicht die Armen. Eine billige, hungrige Arbeiterschaft bringt nur den Reichen etwas.

Eine Studie der “Social Weather Station” (SWS) zeigt, dass 21 Prozent der Bevölkerung (das sind 4,3 Millionen Menschen) zumindest einmal hungrig waren in der zweiten Hälfte von 2013. In Hauptstadtgebiet um Manila hat der Hunger um 10 Punkte zugenommen und steht nun bei 26% – das sind 738.000 Menschen, die hungrig waren. Gleichzeitig ist die Armutsrate nicht weniger geworden und ist heute höher als noch in 2005. Was heisst, dass die Armen nach wie vor nicht viel in dieser Welt besitzen und von einer Mahlzeit zur nächsten leben.

Nur ein Prozent der Bevölkerung ist extrem reich und besitzt bis zu 70-90% des nationalen Reichtums. Die Hälfte dieses Reichtums nutzen sie als Bestechung und um die Bürokratie, Polizei, das Militär und Parlament zu infiltrieren, um Regierungsbehörden für sich einzunehmen und sich diese so zurecht zu biegen, bis sie ihre Interessen unterstützen. Die Regierung scheint sich mehr um die Interessen der Reichen zu kümmern als um die seiner Bürger.

Korruption hat epidemische Ausmasse. Präsident Aquino, der selbst als korruptionsfrei angesehen wird, hat sich die Eliminierung von Korruption als das Ziel seiner Präsidentschaft gesetzt.

Rosemary war ein Kind der Armut. Als ihre Mutter an Tuberkulose verstarb, wurde Rosemary zu einem Zuhälter und Menschenhändler gebracht, der später zum Manager einer Sexbar wurde, die von internationalen und lokalen Sextouristen besucht wurde. Rosemary wurde zur Sexarbeiterin erzogen, eine von vielen Tausenden in den Bordellen und Sexbars in den Philippinen, wohin sie als menschliche Sklaven verschleppt wurden, von ihren Schulden gefangen.

Das ist eines der grössten und schamvollsten Versagen von lokalen und nationalen Regierungen. Der Bürgermeister und die Beamten sind offenbar selbst “gefangen” im Netz der Gefälligkeiten und Dienste, vielleicht von dieser Industrie kommend, und so lassen sie zu, dass die Sexindustrie floriert. Dieses Übereinkunft ist übelerregend. HIV / Aids verbreitet sich nun auch wieder als ein Ergebnis dessen. Und es gibt keinen Aufschrei in den Medien oder in der Öffentlichkeit; stattdessen gibt eine nationale Absprache, so scheint es, die den Sextourismus erlaubt.

In diesem schönen Land werden seine belastbaren, liebenswürdigen, duldsamen und freundlichen Menschen ausgebeutet – und die meisten wissen davon nicht einmal etwas. Sie werden manipuliert und konditioniert, bis sie daran glauben, dass die Reichen alles verdienen, was sie besitzen und dass sexuelle Ausbeutung von selbst Minderjährigen akzeptabel ist. 60-jährige Folk-Sänger können mit 16-jährigen Mädchen zusammenleben und es wird als in Ordnung angesehen. Einige rechtfertigen es, da sie selbst davon profitieren. Die Massenmedien verstärken das noch. Sie sehen die Zwangsabtreibungen nicht, den täglichen Missbrauch und die Menschenrechtsverletzungen. Die Opfer verdienen nur selten selbst Geld, da die meisten Opfer von Menschenhandel auch “Gefangene” ihrer Schulden bei den Barbesitzern sind, die eine Flucht unmöglich macht.

Ganz ähnlich wie die Nation auch sind die Philippinen gefangen von ausländischen Schulden – Darlehen, die den Reichen zugute kommen, während die Armen diejenigen sind, die die Zinsen dieser nationalen Schulden bezahlen müssen.

Der riesige Anstieg in den Stromrechnungen im Manila-Hauptstadtgebiet im letzten Dezember illustieren klar, wie die Regierung von der reichen Elite gefangen gehalten wird. Die Stromhersteller übernahmen die nationale Industrie durch Privatisierung und Vetternwirtschaft mittels ihrer Freunde in der Regierung. Die meisten öffentlichen Versorgungsunternehmen sind mittlerweile privatisiert und in der Hand der profitsüchtigen, reichen Elite. Die Stromerzeuger – u.a. Aboitiz, Malampaya und Meralco – nutzen in erster Linie schmutzige Kohlekraftwerke, die ebenfalls von ihren Freunden in der Regierung abgesegnet wurden. Sie bilden gerüchteweise ein Monopol, das seine Preise abspricht und arbeiteten angeblich auch eng zusammen, um einen fiktiven Strommangel herzustellen, der dann den Preisanstieg rechtfertigen sollte, um ihre obszön hohen Gewinne noch zu steigern. Sie streiten aber jegliches Unrecht ab.

Auch davon abgesehen kennt Korruption keine Grenzen. Jeden Tag kommen neue Enthüllungen über einen riesigen Betrugsfall von Regierungsmitgliedern ans Tageslicht, die mit den Wirtschaftsbossen gemeinsame Sache machten.

Verfechter des Rechts nehmen einen Standpunkt dagegen ein und widersetzen sich. Die Medien haben den Mut und die Freiheit, um die Wahrheit zu enthüllen, doch viele Journalisten wurden daraufhin ermordet. Die dunklen Kräfte schlagen zurück.

Schweigen heisst Zustimmung angesichts des Bösen. Wir müssen uns allen Formen von Menschenhandel, Kindesmissbrauch und Preisabsprache widersetzen, ganz besonders, wenn diese den Armen schaden. Wir müsssen unsere Meinung sagen, protestieren und das Wahre und Richtige verkünden, komme, was wolle. 

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