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Der allgemeine Wunsch nach Gerechtigkeit

December 15, 2014 · 

Der allgemeine Wunsch nach Gerechtigkeit
Fr. Shay Cullen
Seoul, Korea.

Es war eisig kalt als wir auf der Verkehrsinsel der breiten Straße in Seoul, Korea standen, die zu dem historischen Palast und dem Haus des Präsidenten führte. Dort traf ich eins der trauernden Elternpaare des koreanischen Fährenunglücks. Ein Protestlager war aufgebaut worden, wo Unterstützer und Sympathisanten zusammenkommenn um zu beten und Gerechtigkeit für die Familien der Opfer dieser schrecklichen Tragödie zu fordern. Ein Gefühl und Bewusstsein der Menschenrechte ist sehr verbreitet und es gibt regelmäßige demokratische Proteste in Seoul. Aber jeder darf durchgehend demonstrieren, friedlich oder lärmend, ohne von der Polizei brutal maß geregelt zu werden.

In dem Lager auf der Verkehrsinsel erzählte mir der Vater eines Kindes, das durch das Sinken der Fähre getötet wurde, mit Hilfe eines Dolmetschers, dass die Eltern die Untätigkeit der Regierung nicht akzeptieren können. Sie wollen, dass die Regierung die Ungerechtigkeit, die durch den Unfall verursacht wurde, und den Verlust von so vielen Kindern und Erwachsenen wiedergutmacht. Er überreichte mir ein Solidaritätsabzeichen, ein gelbes, gefaltetes Band. Die verstorbenen Kinder schauten uns durch die über 300 gesammelten Fotos von dem provisorischen, ihnen gewidmeten Schrein aus an. Ihre stummen Blicke verdeutlichten uns das ungeheure Ausmaß von ihrem Verlust und die Größe des Verbrechens.

Die Fähre Sewol, am 16. April 2014 mit einer vollen Anzahl von 500 Passagieren und Crew. Das Schiff wurde von einer japanischen Fährengesellschaft gekauft, es hatte nur noch zwei Jahre als Personenfähre übrig. Doch die Schifffahrtsgesellschaft schaffte es durch fragwürdige Methoden das Gesetz zu ändern, sodass es die Genehmigung erhielt, auch nach diesen zwei Jahren noch Passagiere befördern zu können. Zusammen mit illegalen baulichen Änderungen, um eine größere Fracht tragen zu können, war die Fähre viel zu schwer und kenterte. Der Kapitän, die Crew und die Familie des Besitzers wurden festgenommen und angeklagt. Nun ist der einzige Wunsch der Familien der verstorbenen Kinder Gerechtigkeit.

In den Philippinen ist Gerechtigkeit schwer zu finden. 4386 Filipinos starben in der größten Seekatastrophe während friedlichen Zeiten, als die Fähre MV Doña Paz, die Sulpicio Lines gehörte, aus Tacloban, Leyte am 20. Dezember 1987 sank, nachdem sie mit dem Öltanker MT Vector zusammenstieß. Nur 24 Menschen überlebten. Das Schiff war längst über dem seetauglichen Alter und gebaut für 608 Passagiere. Als der Zusammenstoß geschah, der zum Tod tausender führte, war die Fähre nach einem Feuer wiederaufgebaut worden, ohne Zulassung, überladen und ohne einen qualifizierten Kapitän oder Führungskraft auf der Brücke. Letztendlich hat das „Philippine Board of Marine Inquiry“ (Philippinische Behörde für Marine Ermittlungen) Sulpicio Lines von aller Verantwortlichkeit, Schuld und Fahrlässigkeit für den Unfall freigesprochen, knapp davor mit dem Besitzer zu sympathisieren.

Niemand wurde festgenommen, angeklagt, wegen Fahrlässigkeit für schuldig erklärt oder für die Tode von so vielen verantwortlich gemacht. Wenn man reich und mächtig ist, ist auf den Philippinen alles verhandelbar. Nur eine geringe Entschädigung wurden den Familien der 4386 Toten gezahlt.

Die Familien von den 162 verstorbenen und den 93 schwer verletzten Opfern des Brands in einer Manila Disko mussten 18 Jahre und 8 Monate warten, um letzte Woche endlich Gerechtigkeit zu erhalten. So klein sie auch ist, mit sieben Ingenieuren aus Quezon City und zwei Geschäftsmännern, je zu zehn Jahren. Philippinische Gerechtigkeit ist schwer zu erreichen, alles ist verhandelbar, außer für die Armen.

Ein Mädchen Angie, aus Botolan, Zambales, mit der geistigen Zurechnungsfähigkeit einer 9-jährigen, wie im April 2011 von der Staatsanwältin Emelyn T, Nacin-Catolico bestätigt wurde, wurde von einem Pädophilen grausam vergewaltigt und bedroht, der Fall wurde an den lokalen Gerichtshof in Iba, Zambales weitergeleitet.

Jetzt, drei Jahre später, setzt eine neue Staatsanwältin, Olivia V. Non-Finones, das Kind stark unter Druck, eine eidesstattliche Erklärung zu unterschreiben und sich fügsam zurückzuziehen, anstatt den Vergewaltiger strafrechtlich zu verfolgen. Eine derartige eidesstattliche Erklärung ist durch den Befehl des Philippine Department of Justice (Abteilung für Gerechtigkeit) verboten und der Oberste Gerichtshof hat oft bestimmt, dass eine solche Erklärung des Ablasses kein Gewicht hat.

Trotzdem akzeptierte der Richter Marifi P.Chua die eidesstattliche Erklärung vor Gericht und wies die Anklage auf Vergewaltigung zurück, da der Angeklagte versprach die Frau nicht noch einmal zu vergewaltigen. Somit ist der Täter nun wieder auf freiem Fuß und kann seine schreckliche Tat wiederholen. Dem Kind ist also die Gerechtigkeit verwehrt geblieben und es befinden sich sogar weitere Kinder in Gefahr, da der Vergewaltiger keine Konsequenzen für sein Verbrechen erhielt.
Hier in Seoul begrüßen viele die UN-Resolution, die von 111 Ländern beschlossen wurde, um die Führer Nordkoreas an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, für die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, zu bringen. Untersuchungen und Interviews mit Flüchtlingen aus Nordkorea, führte zu einem UN-Sonderbericht im Februar 2014, und liefert die Beweise für die Vorwürfe. Systematische Morde, Folter, Schläge, Hungertod, Vergewaltigung und Zwangsabtreibungen sowie ungerechte Freiheitsstrafen von etwa 120.000 Menschen, sind die Verbrechen dieser Regierung.

Diese Themen und Offenbarungen erhöhten das Pflichtgefühl vieler Südkoreaner, sich mehr zur Hilfe der Menschen in Nordkorea und anderen Entwicklungsländern, die bisher weniger Glück hatten, einzusetzen. Der Wunsch nach Gerechtigkeit ist universell und eine Nation ohne diesen Wunsch ist keine vollständig zivilisierte Nation, sondern ein nahezu gescheiterter Staat.

Dies ist vielleicht der Grund, wieso die Südkoreaner ihr Interesse an der sozialen Gerechtigkeit erweitern und immer mehr Fair-Trade-Produkte, wie beispielsweise getrocknete Mangos von Kleinbauern und der indigenen Bevölkerung aus Entwicklungsländern wie den Philippinen, kaufen. Sie haben ein wachsendes moralisches Gewissen, realisieren die Ausbeutung der Armen und ergreifen die Chance zu helfen.

Fairer Handel ist ein schnell wachsender Sektor in der Zivilgesellschaft und die Christen in vielen Ländern wie Großbritannien und Irland, Deutschland und Österreich gehören mit zu den aktivsten Anhängern dieses Sektors. Die Bewegung in Seoul hat durch Mayor Won Soon Park ein starken Befürworter, der in Seoul das Global Social Economic Forum in diesem Monat veranstaltet, um das soziale Engagement der Koreaner für die internationale Zusammenarbeit und Fair Trade zu steigern und fördern. Wir alle können dazu beitragen, dass Gerechtigkeit zum zentralen Punkt des Glaubens und des Lebens wird.

 

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