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Das menschliche Antlitz der philippinischen Armut

January 16, 2014 · 

By Fr. Shay Cullen

Reggie ist das menschliche Antlitz der philippinischen Armut.

Reggie’s first meal ever in a restaurant after being freed from prison.

Er und seine Familie lebten am Rande der Armut, bis der Taifun Haiyan im November 2013 ihn und seine Familie ins absolute Elend stürzte. Er ist ein 17-jähriger arbeitsloser Jugendlicher, dessen Haus vom Wind davon getragen wurde, der mit 245 Kilometer pro Stunde daher kam. Danach wurde ihm von Menschenhändlern seine Würde genommen, die ihn und sechs andere Jugendliche aus Cebu dazu zwangen, unbezahlt auf einem Fischerboot zu arbeiten, nur um ihn danach hungrig und ohne Bezahlung zurück zu lassen. Dann sank er in noch tiefere Armut, als ihm von den Behörden seine Freiheit und seine Menschenrechte genommen wurden, die ihn wegen Landstreicherei ins Gefängnis warfen. Er wurde nun vor kurzem aus dieser illegalen Gefangenschaft befreit.

Doch das eine Bild, das mich noch mehr verfolgt, ist das von Edgar. Edgar ist einer der Ärmsten unter den Armen und dabei nur einer von hunderttausenden Filipinos, denen es so ergeht – ein Strassenjunge, dünn, ausgemergelt bis auf die Knochen, ein Mensch, den niemand gerne anschaut. Er wurde verwundet in einer Strasse aufgefunden. Sein einziger Besitz war ein paar Unterhosen, um seinen nackten Körper zu bedecken. Ansonsten besass er nichts in dieser Welt. Eine Realität besonders schockierend angesichts des Umstands, dass mittlerweile die Zahl der Dickleibigen mehr ausmacht als jene 1,2 Milliarden armer Menschen, die mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen.

Die Philippinen, trotz seiner gewaltigen Luxuswohnanlangen, seines Reichtum und der Opulenz seiner Führungselite, ist eines der ärmsten Länder Asiens angesichts seiner grossen Bevölkerungszahl. Es ist eine Land, das – anders als andere asiatische Länder – kaum Fortschritte gemacht hat im Kampf gegen die Armut, trotz seines Wirtschaftswachstums, von dem aber nur die Reichen profitieren.

29 Millionen Filipinos leben unterhalb der Armutsgrenze, wie sich aus den Zahlen, die das Staatliche Statistikamt veröffentlicht hat, ersehen lässt. Die Bevölkerung umfasst in etwa 105 Millionen, von der im Jahr 2013 27,9 Prozent unterhalb der Armutsgrenze lebte. Das sind beinahe genauso viele wie vor vier bis sieben Jahren noch. Walden Bello, in seiner Kolumne “Afterthoughts”, schreibt, dass der Rest der Welt zwischen 2005 und 2008 grosse Fortschritte im Kampf gegen die Armut gemacht hat, sodass die Weltbank dann erklären konnte: “Der Fortschritt ist so riesig, dass die Welt bereits fünf Jahre vor der 2015-Deadline das Ziel der “Millennium Development Goals” der Vereinten Nationen – d.h. die Armut um die Hälfte zu reduzieren – erreichen konnte.”

Die Philippinen haben diesen Fortschritt allerdings nicht erfahren und die Gründe für die Armut lassen sich in der Konzentration von wirtschaftlicher und finanzieller Macht in den Händen weniger mächtiger Familien finden. Schulden sind ein Kontrollwerkzeug. Dass sich arme Länder verschulden war eine wohldurchdachte Strategie der reichen Nationen, um wirtschafltichen und politischen Einfluss auf die Entwicklungsländer nehmen zu können, indem man sie in ein Netz aus ausländischen Schulden verstrickte, das von der Weltbank, der asiatischen Entwicklungsbank und vom Internationalen Währungsfonds verwaltet wurde. Andere Entwicklungsländer begannen bald, sich dieser Macht und Kontrolle zu widersetzen, das die entwickelten Länder mittels dieser Schuldenketten auf sie ausübten.

Die weltweite Kampagne der Schuldentilgung war erfolgreich darin, diese Taktik offen zu legen und so weigerten sich die Länder zu bezahlen oder strukturierten die Schulden um und änderten ihre Wirtschaftspolitik auf eine Weise, dass echte Freiheit und Wachstum, der den Armen zu gute kommt, ermöglicht wurden. Doch die philippinischen Eliten, stets unterwürfig, machten den Schuldendienst zu ihrer ergebenen Pflicht. Die Sklaverei gegenüber den Schuldenherren frisst bis zu fünfundzwanzig Prozent des Staatshaushaltes auf, was wenig für andere Investitionen in Infrastruktur und ländliche Entwicklung (wo die meisten der Armen leben) übrig lies.

Die Philippinen blieben so in dieser Schuldenfalle gefangen und haben keinerlei Versuch unternommen, sich daraus zu befreien. Die philippinische Regierung und ihre Unterstützer halten an einer Wirtschaftsideologie fest, die es multinationalen Unternehmen erlaubt, die Wirtschaft und Bodenschätze auszubeuten, was sie alle reicher und den Rest der Nation ärmer hat werden lassen. Das philippinische Parlament hat zum Beispiel Bergbaugesetze verabschiedet, die den internationalen Bergbaufirmen nie dagewesene Privilegien zugestand, die, wie viele behaupten, verfassungswidrig sind. Sie zerstören mit übertagebergbau die Umwelt, forsten Wälder ab, die wiederum Erdrutsche und Katastrophen auslösen, wobei ganze Dörfer entwurzelt und in die Armut getrieben werden. Erst letzte Woche wurden ganze Lastwagenfuhren voll mit frisch geforsteten Baumstämmen von Tangub in Nordmindanao in Richtung Molave gebracht. Ein weiterer Beweis für die unglaublich korrupten Praktiken, die vor den Augen der Öffentlichkeit vollzogen werden.

Die Armen werden dabei aus den ärmlichen ländlichen Gegenden in die städtischen Slums getrieben, wo ihre Kinder – manche erst 13 Jahre alt – im Sexgewerbe landen und von lokalen und ausländischen Sextouristen ausgebeutet werden, während Regierungsmitglieder dies zulassen und dann noch von der Empörung profitieren. Tourismus macht in den Philippinen mehr Spass, sagen sie.

Die Armut wächst unterdessen angesichts der Gier der Familiendynastien, die mit Hilfe des Militärs ein Monopol über die politische Macht im Land haben. Sie haben Gesetze verabschiedet, die es Mitgliedern des Parlaments erlaubte, riesige Geldsummen aus der Staatskasse zu entnehmen, um ihre sogenannten Projekte in ihren Wahlbezirken zu verwirklichen. Doch die meisten dieser Gelder wurden abgezweigt in ihre Privatkonten mit Hilfe von Scheinprojekten. Dieser Skandal hat monatelang die Schlagzeilen beherrscht, als eine schmutzige Enthüllung über Korruption bis in die höchsten Kreise nach der anderen gemacht wurde.

Inzwischen hat die Regierung in einem verzweifelten Versuch, die UN Milleniumsziele zur Reduktion von Armut doch noch zu erreichen, das “Conditional Cash Transfer”-Programm durchgeführt. Dieses “Almosen-Projekt” hilft (trotz seiner Nachteile) dabei, dass arme städtische Familien nicht vollends in elendige Armut versinken. Es ist nur eine kurzweilige Schwimmweste in einem Meer aus Entbehrungen und Hunger. Was es wirklich braucht, ist eine Wirtschaftspolitik, die für die Armen einsteht, mittels derer Arbeitsplätze für die Armen geschaffen werden können, sowie eine Landreform, die im Zentrum dieser Wirtschaftspolitik stehen sollte.

Das wird es ermöglichen, eine stärkere Unter- und Mittelschicht aufzubauen, die über eine Kaufkraft verfügt mittels derer wiederum mehr Arbeitsplätze geschaffen werden können. Der Reichtum wird sich verteilen anstatt sich nur zu Gunsten derer an der Spitze zu konzentrieren. Die Philippinen werden weiterhin das rückständigste und ärmste Land bleiben, wenn sich nicht eine Regierung an der Macht findet, die sich für die Armen einsetzt – was leider in nächster Zukunft kaum möglich scheint.

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