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Eindrücke aus meiner Zeit als Volunteer bei PREDA – von Ulla Slepica

February 11, 2013 · 

Seit Anfang Januar 2013 bin ich (zusammen mit meinem Mann) als Volontär bei preda aktiv.

Wir hatten durch unsere langjährige Tätigkeit im Fairen Handel im Weltladen in Durmersheim schon viel über preda erfahren. Sowohl die AKBAY Theatergruppe als auch Father Shay waren bei uns im Ort anläßlich von Veranstaltungen zu Gast. Das weckte unser Interesse uns als „Senior-Volontäre“ hier einzubringen.

Nachdem wir am ersten Tag gleich von 2 jungen Volontären, Franzi und Tobi die schon 6 Monate hier sind, gezeigt bekamen, wie man sich im Straßenverkehr und in der Stadt Olongapo zurecht findet, konnte da nichts mehr schiefgehen. Die nächsten Tage wurden wir teils von preda – Mitarbeitern, teils von Volontären in verschiedene Projektbereiche eingeführt. Das erste war das HFB = home for boys, etwa 1 Std. vom preda Hauptgebäude entfernt, in dem etwa 45 Jugendliche auf Grund von meist kleineren Straftaten eine Resozialisierung  erfahren. Auf dem Tagesplan der Jungs stehen Unterricht, Wertevermittlung, Arbeiten in Haus und Küche + der ökol. Gartenanlage, sowie Sport und Spiel und handwerkl. Tätigkeiten. In dem sehr schönen Haus, das inmitten herrlicher Natur liegt, können sich die Jungs fast wie in Freiheit fühlen.

Am 2. Tag wurde ich im girls home mit dem Projekt CFC (childhood for children) vertraut gemacht. Die Mädchen, zwischen 9 und 16 Jahren, teils ohne, teils mit Schulausbildung hatten gerade Unterricht, der sehr stark auf ihre unterschiedliche Bildung und Situation Rücksicht nimmt. Vielleicht zu vergleichen mit einer alten kleinen Dorfschule, wo Kinder versch. Altersklassen zusammen unterrichtet wurden.. Sie waren sehr interessiert über mich „Neue“ etwas zu erfahren. Die meisten verstehen und sprechen etwas englisch, manche aber auch nur tagalog. Dann konnte ich im Legal Office = Rechtsabteilung noch 2 ihrer Akten lesen über die Hitergründe ihres Aufenthalts, nämlich  Vergewaltigung einer 8 jährigen durch den Vater und einer 15 jährigen durch einen Verwandten.

Mit den Mädchen, allerdings immer in sehr unterschiedlicher Gruppenzusammensetzung, konnte ich dann an vielen weiteren Tagen noch verschiedene Unerrichtsstunden als Hilfsperson begleiten. Auch die Zeit der Aktivitäten am Nachmittag konnte ich mit einfachen Gesellschaftsspielen, ohne viele Hilfsmittel bereichern. Bei diesen Gelegenheiten bedauerte ich allerdings, dass ich kein tagalog, die philipp. Landessprache beherrsche.

Ein weiterer interessanter Baustein war die Reise über Fluss und Tal zu Fair Trade Partnern. Zuerst zu einer Frauenkooperative, die Recyclingprodukte, wie die beliebten Saftpacktaschen, die wir im Weltladen verkauften, herstellen und über preda vermarkten. Dann ging es zu den indigenen Bewohnern der Region Zambales, den AETA, die ihre leckeren Carabao Mangos über den Fairen Handel vekaufen können und auch sonst im Einklang mit und von der Natur leben. Hier war ich Zuhörende und Fragende. Als Übersetzer fungierte Donard , ein Mitarbeier im Fairtrade-Projekt.

Einen sehr beeindruckenden , langen Tag verbrachte ich in Manila, wo wir einer Anhörung bei Gericht beiwohnten, bei der der Fall eines Jungen aus dem boyshome behandelt wurde. Dessen Zuhause und das eines anderen Jungen konnte ich dann noch im Rahmen des sogenannten homevisit,  den die Jungen von Zeit zu Zeit haben, kennen lernen. Die Familie von Joe (Name gändert) lebt auf der Straße, was bei mir natürlich sehr traurige Gefühle hervorrief. Als drittes ging es dann noch zu einem Jugendgefängnis, wo wir 4 Jugendliche ins preda Heim abholen konnten.. Für die anderen, die auch alle gerne rausgekommen wären, brachten wir ein klein wenig
Abwechslung in ihren trostlosen Alltag.

Bald lernte ich ein weiteres Projekt kennen. Diesmal ging es sehr fröhlich zu. Denn das PEPS-Team geht regelmäßig in Schulen, um Kinder für ihre Rechte gegen sexuellen Missbrauch und häusliche Gewalt zu sensibilisieren. Die Themen werden von dem Team mit viel Engagement und Erfahrung sehr lebhaft vermittelt und im Rahmen einer selbst gestalteten Puppenshow von den Kindern begeistert aufgenommen.

Auch am Samstag beim Strand-Ausflug der Jugendlichen vom boyshome ging es sehr entspannt zu. Mit dem preda-eigenen Jeepney ging es in 2 Fuhren zum ca. 1 Std. entfernten Strand, wo die Jungs sich völlig frei bewegen, schwimmen , Basketball spielen und  relaxen konnten. Wir drei Volontäre konnten uns wieder gut mit Brett- , Karten-, und sonstigen Spielen einbringen., denn dafür sind  die Sprachkenntnisse nicht ganz so wichtig. Und für diejeigen, die kein englisch können, ist immer jemand vom Personal als Übersetzter da.

Ein weiteres Projekt, das ich erlebte, ist das After Care-Projekt.Dort werden Mädchen, die aus dem Heim entlassen und zu ihren Familien zurückgekehrt sind, weiter durch Sozialarbeiter mental, finanziell und vor Gericht etc. betreut. Zum Teil leben die Mädchen ja an sehr schlecht erreichbaren Orten in äußerst ärmlichen Verhältnissen, sodass die Sozialarbeiter mithilfe von verschiedenen Transportmitteln ( Bus, Jeepney, Trycicle) über teils sehr unwegsames Gelände dorthin gelangen. Es war eine sehr große Erfahrung zu sehen, wie unterschiedlich die Leute in ihren Behausungen leben, wie gut oder eher schlecht die Mädchen ihre Schulausbildung fertig machen oder auch mal nicht weiter zur Schule gehen. Die verantwortlichen Erwachsenen, oft die Oma, haben sich meist sehr dankbar für die Unterstützung gezeigt.

An 2 Tagen gab es auch eine ausführliche Präsentation der Zahlenwerke des Jahres 2012 mit den Beträgen und Summen, die den einzelnen Projekten zur Verfügung standen. So konnte ich mein Bild in den vier Wochen als „volunteer“ mehr und mehr abrunden.

Ulla Slepica, Deutschland

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