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Hört die Schreie der Opfer

February 16, 2017 · 

Hört die Schreie der Opfer
Pater Shay Cullen
10. Februar 2017

Die entsetzenden und fast unglaublichen Enthüllungen der vergangen Jahren in der entwickelten Welt und zuletzt in Australien bei dem königlichen Untersuchungsausschuss im „Institutional Responses to Child Sexual Abuse“, erschüttert die Menschen und lässt die Enthüllungen wanken.

Die Ermittlungsbeauftragten untersuchen die Reaktion oder das Fehlverhalten in den Kirchen aller Konfessionsgemeinschaften, Sportvereinen, Bildungseinrichtungen und das Militär auf sexuellen Missbrauch in ihren Organisationen. Die Enthüllungen der immer häufiger vorkommenden sexuellen Übergriffe und der Mangel an Antworten um den Opfern zu helfen, als auch um die Täter vor Gericht zu bringen, ist schwer für normale Menschen und vor allem Katholiken zu akzeptieren und zu verstehen.
Wer wird die Schreie und das Leiden der Opfer hören?

Das eklatanteste Fehlverhalten in den letzten Jahren war in der institutionellen katholischen Kirche. Es waren Fehler von einigen Bischöfen, die versucht haben Verbrechen von Geistlichen, Lehrern und kirchlichen Arbeitern zu vertuschen. Mehr als 1,888 Opfer haben ausgesagt, von Geistlichen missbraucht worden zu sein. Hundert weitere waren nicht fähig, hervorzukommen und über ihren Missbrauch auszusagen.

Obwohl die katholische Kirche sich drastisch verändert hat und nun dazu beiträgt, sexuellen Missbrauch von Kindern vorzubeugen und zu melden, hat die letzte Enthüllung ein schmerzhaftes Vermächtnis hinterlassen. Das Leben der Opfer ist stark betroffen und viele leiden weiter. Hunderte haben infolge des Missbrauchs Suizid begangen.

Nach Angaben des Guardian, in der über die Arbeit der Kommission berichtet wurde:„ Gail Furness SCC sagte in ihrer Eröffnungsrede, dass es einer Untersuchung nach 4,444 Missbrauchsvorwürfe gegen die katholische Kirche zwischen Januar 1980 und Februar 2015 gab“. Außerdem sagte sie, dass 60% der Missbrauchsüberlebenden, die an den privaten königlichen Kommissionssitzungen teilnehmen, ihren sexuellen Missbrauch bei glaubensbasierten Institutionen gemeldet haben. 2/3 der Kinder haben ihren Missbrauch bei katholischen Institutionen gemeldet. Der königliche Kommissionsbericht sagt aus, dass von den 1,880 mutmaßlichen Täter, 572 Priester waren.

Frau Furness beschrieb die Berichte der Opfer als „deprimierend ähnlich“. „ Kinder wurden ignoriert oder schlimmer bestraft“, sagte sie. Die Vorwürfe wurden nicht weiter untersucht. Priester und andere Angestellte der Kirche wurden versetzt. Die neuen Pfarrgemeinden und Gemeinschaften wussten nichts über die Vergangenheit ihrer neuen Angestellten. „Dokumente wurden nicht aufbewahrt oder sie wurden zerstört. Es herrschte Geheimhaltung als Tarnung. Das durchschnittliche Alter der missbrauchten Mädchen war 10 und die Jungen wurden im Alter von 11 Jahren missbraucht. Der vollständige Bericht wird noch in diesem Jahr veröffentlicht und über Enthüllungen bezüglich Missbrauchsfällen in militärischen und sportlichen Institutionen offenlegen. Die jüngsten Offenbarungen und Enthüllungen von Fußballspielern im Vereinigten Königreich, die öffentlich gemacht wurden, waren von Spielern, welche unter anderem von ihren Trainern in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden.

Eine Studie von David Finkelhor, Präsident des „ Crimes Against Children Research Center“, Professor für Soziologie an der Universität New Hampshire zeigt, dass eines von fünf Mädchen und einer von zehn Jungen Opfer von sexuellen Übergriffen sind. Eigenstudien zeigen, dass 20% der erwachsenen Frauen und 5-10% der erwachsenen Männer sich an einen sexuellen Übergriffen oder sexuellen Missbrauch erinnern. Forschungen des US-Zentrum für Krankheitsbekämpfung schätzen, dass einer von sechs Jungen und eines von vier Mädchen noch vor ihrem 18.Lebensjahr sexuell missbraucht wurden.

Auf den Philippinen gibt es wenige zuverlässige Statistiken. Das Preda-Zentrum für missbrauchte Mädchen hat hunderten Kindern, von denen manche erst acht Jahre alt waren, geholfen. Mit Hilfe der Schrei-Therapie hat Preda sie unterstützt, die Schmerzen und die Wut, die sie aufgrund ihres Missbrauchs fühlen, zu lindern. In der Therapie können sie ihre Emotionen, das aufgestaute und verborgene Leid und den Schmerz, ausdrücken. Die Therapie wird in einem gepolsterten Raum durchgeführt, wo sie schreien, weinen und ihren Schänder konfrontieren können. Sie boxen, schlagen und treten gegen die Polster, um sich von dem Leid und den Schmerzen des Missbrauchs zu befreien.

„Warum hast du mir das angetan, warum? Warum? Ich hasse dich, ich hasse dich!“, ein 15-jähriges Mädchen schreit ihren Schänder an. Ein anderes 14-jähriges Mädchen lässt ihre Wut an ihrer Mutter aus. „Du hast zugelassen, dass er mir das angetan hat! Du hast ihn nicht gestoppt!“, schreit sie weinend. Ein 12-jähriges Mädchen schreit mit voller Kraft ihre Mutter an: „ Du hast mir nicht geglaubt! Du hast mir geraten, nichts zu sagen! Warum hast du mir nicht geholfen und ihn gestoppt?!“. Und jeden Tag es weiter.

Die 36 Mädchen haben ihre Therapie, in der sie die Wut und den Schmerz herausbrüllen und schreien. Sobald sie ihre Emotionen herauslassen, zuckt ihr Körper bei jedem neuem Schrei, der die Luft mit Wut, Angst und Schmerz schneidet, zusammen.

Sie schreien, brüllen und wenn sie fertig sind, haben sie nacheinander ein Gespräch, an was und wen sie in ihrer Schrei-Therapie dachten, in der Gruppe und bei der Therapeutin. Nach jeder Einheit sind sie gestärkt und ermutigt. Sie finden den Mut gegen ihren Schänder vor Gericht auszusagen und gewinnen manchmal den Prozess. Was die Kirche und andere Behörden, Verleumder, Vergewaltiger und Eltern nicht erkennen wollen, sind die emotionalen Wunden, die die Kinder lebenslang ertragen müssen. Sie geben nicht zu, dass die Kinder, die sie missbrauchen oder missbrauchen lassen, die Wunden ein ganzes Leben tragen. Erst wenn wir Einzelfälle sehen, und ihre tiefsten emotionalen Erfahrungen hören, können wir einen Einblick von dem Leiden bekommen, dass sie während und nach dem sexuellen und physischen Missbrauch erleiden.
Der Mangel an Gerechtigkeit ist ein weiteres Hindernis für die Heilung. Den Opfern wird oft nicht geglaubt und sie werden sogar selbst für den Missbrauch verantwortlich gemacht. Das ist das größte Unrecht von allen.

shaycullen@preda.org

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