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Geheime Folterkammern aufgedeckt

December 15, 2014 · 

Geheime Folterkammern aufgedeckt

von Pater Shay Cullen

 

P10A13C23Wer könnte sich jemals vorstellen, dass eine geheime Foltereinheit der philippinischen Polizei ein „Glücksrad“ benutzen würde, um die Foltertechniken auszusuchen, mit denen sie ihre Opfer quälen? Durch ein internationales Abkommen ist der Akt der Folter verboten, in dem Strafgesetzbuch der Philippinen wurde 2009 sogar ein Gesetz festgehalten, diese komplett zu stoppen. Doch trotz allem ist sie immer noch eine geläufige Methode. Der kürzlich veröffentliche Untersuchungsbericht von Amnesty International sagt aus, dass polizeiliche Folter „einen festen Platz auf den Philippinen hat und Straflosigkeit dafür normal ist..“ Unter dem Titel „Above the Law: Police Torture in the Philippines“ (zu Deutsch: „Philippinische Polizei foltert regelmäßig“), haben Forscher von Amnesty International zusammen mit örtlichen Menschenrechtsaktivisten geheime Strafanstalten aufgedeckt, darunter auch das berüchtigte „Glücksrad“ in einer dieser Folterkammern in Laguna, im Süden von Manila.

Diese schockierende Entdeckung bezeugt, dass eine ausgebildete Einheit Folter als eine gemeine und kranke Art der Unterhaltung genutzt hat. Während die Opfer, wegen des entsetzlichen Schmerzes eines Elektroschocks, durch die Knebel hindurch schrien, lachten die Täter.

Der Bericht des US-Senats über Folter und das Verschwinden von Verdächtigen, beschreibt die schreckliche Folter und den Missbrauch sehr genau. Viele dieser Techniken sind denen der philippinischen Polizei sehr ähnlich. Die philippinischen Polizisten, die in Fort Bragg oder irgendwo in den USA ausgebildet wurden, haben diese Foltertechniken möglicherweise von ihren amerikanischen Ausbildern gelernt. Wir hoffen nicht.

Nicht weniger als 43 Überlebende, die von philippinischen Menschenrechtsaktivisten, welche ihr Leben riskieren um diesen Opfern zu helfen, gerettet wurden, haben bestätigt, dass sie schwerwiegende Folter erfahren haben. 23 von ihnen waren mutig genug, um eine Anzeige gegen die Polizei einzureichen.

Ihre Hoffnung auf Gerechtigkeit ist jedoch sehr gering. Polizisten genießen ein hohes Maß an Straflosigkeit. Sowohl Tötungseinheiten als auch Mordverdächtige werden von dem Militär, Bürgermeistern und anderen mächtigen Politikern eingesetzt, um ihre Interessen zu schützen, politische Gegner zu eliminieren oder ihr geheimes, kriminelles Unternehmen davor zu bewahren von einem Rivalen übernommen zu werden. Noch dazu säen sie Angst und Schrecken unter den Menschen um die Wiederwahl gewisser Politiker zu gewährleisten.

Im Mai 2014 wurde von der Human Rights Watch ein 71-Seiten langer Bericht mit dem Titel „One Shot to the Head: Death Squad Killings in Tagum City, Philippines“ („Ein Schuss in den Kopf: Mord durch Tötungseinheiten in Tagum City, Philippinen“) veröffentlicht. Dieser dokumentierte Interviews mit den Mördern, die gestanden, dass sie Textnachrichten von dem ehemaligen Bürgermeister erhielten, mit der Information wen sie wann zu töten hatten. Dafür wurde ihnen weniger als 100$ bezahlt. In dieser Woche vom 11. Dezember, ehren wir Rogelio Butalid, ein Radiosprecher, der vor seiner Funkstation in Tagum City, Mindanao, erschossen wurde. Doch er ist nur einer von vielen Journalisten, die von der Tötungseinheit innerhalb der letzten zehn Jahre ermordet wurden.

Niemand wurde für diese vielen Morde verantwortlich gemacht oder zur Rechenschaft gezogen. Menschenrechtsaktivisten fordern ein Gesetz, um die jeweiligen Bürgermeister als Verantwortliche und Schuldige zu bestimmen. Als Strafe für die Folter und Morde der Tötungseinheiten in ihrer Stadt, sollen sie von ihrem Posten entfernt werden, aufgrund von ekelerregender Inkompetenz und Amtspflichtverletzung.

Der Bericht von Amnesty International ist nicht weniger erschreckend. Er erklärt, dass sie mit der Hilfe von örtlichen Menschenrechtsaktivisten 55 Überlebende der Folter interviewen konnten, 21 davon waren Kinder als sie missbraucht und gefoltert wurden. Zwei der Opfer wurden im Anschluss an die Folter erschossen und zum sterben zurückgelassen, doch wie durch ein Wunder überlebten sie.

Nicht weniger als 36 Fälle wurden an eine Beschwerdestelle weitergereicht, aber unüberraschenderweise wurde niemand angeklagt. Wahrscheinlich wurde den untersuchenden Beamten mit einem „Kopfschuss“ gedroht.

Überlebende der Folter schilderten wie sie geschlagen, getreten und elektrisch geschockt wurden, Waterboarding erlitten (simuliertes Ertrinken), fast an Plastiktüten über dem Kopf erstickt wären, und ohne genug Schlaf dazu gezwungen wurden, extreme körperliche Übungen zu machen. In einem Video wird ein nackter, alter Mann gezeigt, mit einem Kabel um sein Genital gebunden, an dem von einem Polizisten gezogen wurde. Dieses Opfer wurde später geköpft aufgefunden.

Auch Kinder wurden gequält, ausgehungert und getötet in Gefängnissen, die sich „Jugendheime“ nennen, wo die Kinder vernachlässigt, missbraucht, misshandelt und hinter Gittern gehalten werden.

Ein schockierendes und schreckliches Foto eines missbrauchten Kindes wurde in RAC, Reception Action Center, gemacht. Ein Ort, der als Auschwitz-ähnliches Konzentrationslager im Herzen von Manila, nur fünf Minuten von dem Büro des Bürgermeisters Estrada entfernt, beschrieben wird. Es ist das Foto eines Jungens namens Francisco. Sein nackter, abgemagerte Körper wurde auf dem Boden liegengelassen, anscheinend zurückgelassen um zu sterben. Als Wohltäter ihn fanden, hatte er Blutergüsse über den ganzen Körper verteilt.

Die Ausrede der Mitarbeiter ist, dass es kein Geld gab, um ihm zu helfen. Doch das ist eine Lüge. Es ist der Versuch mehr Geld zu erhalten, welches auf mysteriöse Weise verschwindet und zu wenig übrig lässt, um die Kinder davon zu ernähren, einzukleiden und zu unterstützen. Alles was der Junge Franciso brauchte, war ein T-Shirt, eine Hose und dass man ihn mit anderen Kindern aus ähnlichen Situationen in ein Krankenhaus bringt. Die Wahrheit ist, dass das Geld vermutlich veruntreut wurde und die Revisionskommission diese Einrichtung prüfen muss. Noch dazu brauchen sie eine saubere, gut geführte Einrichtung im ländlichen Raum, unter der Betreuung des vertrauenswürdigen Geschäftsführers, Corazon Soliman, des Department of Social Welfare and Development (Amt für Sozialhilfe und Entwicklung). Manila ist eine so reiche Stadt, dass sie es sich leisten könnte, zwei derartige Einrichtungen zu bauen und zu halten.

Viele weitere Kinder sind in ähnlichen Situationen. Der Bericht dokumentiert die Folter von 21 Kindern. Es ist schwierig so etwas zu lesen und zu verstehen, wie Menschen Frauen und Kindern solch eine schreckliche und grausame Qual zufügen können. Die psychische Folter durch Drohungen und Angst ist genauso abscheulich. Aber eins ist klar, wir können nicht untätig bleiben, nicht still und gleichgültig diesen grauenvollen Realitäten gegenüberstehen, die von Kinder- und Menschenrechtsaktivisten zusammen mit Amnesty International aufgedeckt wurden.

Die Wahrheit ist nun öffentlich und für alle zugänglich. Wir müssen so gut wir können handeln, um mehr Opfer zu retten und diesen bösen Methoden ein Ende zu setzen. Wir können helfen, indem wir uns dagegen aussprechen, an Kampagnen für Menschenrechte teilnehmen, demonstrieren. Wir können helfen, indem wir uns auf die Seite der Opfer dieser illegalen Jugendstrafanstalten und der Kinder in Gefängnissen stellen. Wir können andere inspirieren, indem wir Respekt für andere zeigen. Genau das ist es, was Jesus tat und lehrte. Deswegen feiern wir Weihnachten.

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