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Fair Trade unterbricht die Kette der Ausbeutung

May 15, 2015 · 

Fair Trade unterbricht die Kette der Ausbeutung
Fr. Shay Cullen

Seoul, Südkorea. Wenn ich die Armen in den Slums von Manila besuchen gehe und den fauligen, abscheuerregenden Gestank des schwarzen Schleims in der Fahrrinne rieche, in dem die Ausscheidungen von Millionen Familien über ganz Manila verteilt werden, und auf die gewaltigen Eigentumswohnungen der Reichen und Mächtigen schaue, dann rieche ich nicht den Dreck der Armen sondern die korrupte Faulheit des Systems, in dem Millionen Arme unter Bedingungen überleben, die nicht einmal für Schweine angemessen wären.

In den 1960ern war Südkorea diesem sehr ähnlich, aber trotz ihren eigenen Familiendynastien und Diktatoren ist es von dieser erbärmlichen Ungleichheit und Elend zu einem erfolgreichen Land mit guten Lebensbedingungen aufgestiegen. Es ist nicht ohne soziale Probleme aber dennoch den Philippinen weit voraus, obwohl diese in 1960 eine fortgeschrittenere Wirtschaft besaß. Deswegen ist es kein Wunder, dass tausende Filipinos dorthin strömen, um besser bezahlte Arbeit und gute Arbeitsbedingungen zu finden.

Der schreckliche Tod von über 72 Arbeitern bei dem Brand in einer Schuhfabrik, der sich letzte Woche in Valenzuela (Vorort von Manila) ereignete, ist nur ein weiterer Beweis für die gefährlichen und ausbeutenden Arbeitsbedingungen für die Armen. Sie dulden diese gefährlichen und ungesunden Bedingungen für einen minimalen Lebensunterhalt. Diese Katastrophe ist nur ein weiteres Beispiel für die Inkompetenz der Regierung, die Sicherheit und den Brandschutz in der Industrie zu regulieren und eine adäquate, schnelle Reaktion zu liefern.

Dieses Desaster ähnelt dem Brand in Bangladesch vor zwei Jahren, bei dem hunderte Arbeiter starben, eingeschlossen in einer Fabrik, die Markenkleidung für reiche, mode-suchende Egoisten herstellt. Es benötigte Fotos von verkohlten, verbrannten Leichen, um die Regierung und die Reichen dieser Welt auf die miserablen Arbeitsbedingungen von Millionen Arbeitern aufmerksam zu machen, die versklavt wurden, um ihnen Kleidung zu liefern, die sie nicht einmal brauchen.

Was die Welt braucht ist wirtschaftliche Handelsgerechtigkeit: faire Löhne, Gewinne uns sichere, würdevolle Arbeitsbedingungen. Fair Trade ist die Bewegung, die versucht durch eine Vorbildfunktion zu zeigen, was richtig und gerecht für Arbeiter auf der ganzen Welt ist. Es fordert Menschen dazu auf, sich mit gegenseitigem Respekt zu behandeln. Kapitalismus hat nichts anderes getan, als Gewerkschaftsbewegungen zu zerstören. Wegen falschen, vom Unternehmen kontrollierte Gewerkschaften, Einschüchterungen, Drohungen, unterbezahlter Schichtarbeit, Outsourcing und Bestechung, schaffen es nur wenige ausgebeutete Arbeitskräfte, sich zusammenzuschließen, um faire Gehälter und sichere Arbeitsbedingungen zu fordern, was ihre grundlegenden Menschenrechte sind.

Vor kurzem wurde auf der ganzen Welt der World Fair Trade Day gefeiert, eine neue Bewegung, die sich für die Rechte und Würde von Erzeugern und Arbeitern einsetzt. Der Bürgermeister von Seoul, Park Won-soon, war einer der Pioniere für soziale Gerechtigkeit und die Fair Trade Bewegung in Südkorea, dadurch stieg er von seinem vorherigen Amt zu seiner jetzigen, politisch bedeutenden Position auf. Er lud mich ein, mit ihm zusammen die Buden in einer der Nebenstraßen des Rathauses zu besuchen, in denen während des Fair Trade Festivals fair gehandelte Produkte ausgestellt waren.

Es war ermutigend, all die enthusiastischen, jungen Menschen in den Buden zu sehen, um die Rechte der Arbeiter zu unterstützen und die Produkte von Fair Trade Gruppen aus vielen Ländern zu verkaufen. Sie handelten mit Kaffee, Tee, Bananen, Schokolade, Mangos, Kleidung und vielen weiteren, würdevoll hergestellten Produkten. Es waren Produkte, die man ohne Schande benutzen kann, die fair hergestellt wurden. Anders als die Ausbeuterbetriebe und Todesfallen von unfairen, kapitalistischen Fabriken, Fair Trade Produzenten halten sich an Regeln, die faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen garantieren.

Fair Trade bedeutet wirtschaftliche Gerechtigkeit und das Teilen des Gewinns, demokratische Prozesse, Teilnahme am Management und das Bezahlen von gerechten Preisen für derartige Waren. Die Kriterien des Fair Trade sind ein Abkommen über Gerechtigkeit und Respekt, das Kinderarbeit und ausbeuterische Tätigkeiten verbietet und Fairness, Gleichstellung der Geschlechter und Menschenrechte fördert.

Bei Predas Fair Trade, mit Sitz in Olongapo City, Philippinen, hat sich der Faire Handel zu mehr entwickelt, als nur Kleinbauern und Ureinwohner zu unterstützen, damit sie die besten, fairen Preise und Bedingungen erhalten. Es setzt sich durch Kampagnen auch stark gegen Menschenhandel ein. Durch die Preda Foundation, arbeiten sie dafür Sexsklaverei zu beenden, verkaufte Frauen und Kinder zu retten und dem Sextourismus und der Kinderarbeit ein Ende zu setzen.

Vor einigen Jahren wurde Südkorea sehr stark wegen Menschenhandel kritisiert. Das Land hat viel getan, um sich von dem niedrigsten zu dem höchsten Level des Registers für Zuwiderhandlung von internationalen Standards des US State Departments emporzuheben. Aber ist der verbesserte Status verdient? Verteidiger von Frauen- und Kinderrechten hinterfragen, ob der illegale Menschenhandel einfach einen neuen Namen bekommen hat und somit „legal“ gemacht wurden.

Engagierte Forscher haben Beweise über schwere Misshandlung gegen Frauen und Minderjährige gefunden, die der sexuellen Ausbeutung und dem Menschenhandel gleichkommen. Die koreanische Regierung ermöglicht dies, durch das Bereitstellen eines Visums, bekannt als E-6, das jungen Frauen und vielen Minderjährigen erlaubt, als „Kunst- und Unterhaltungsarbeitskraft“ nach Korea einzureisen.

Unter anderem haben die Forscher die folgenden Informationen herausgefunden:

„In 2013 betrug die Anzahl von Ausländern, die sich durch das E-6-Visum in Korea aufhielten, 4.940 und 77,5% davon kamen von den Philippinen. 12,3% davon waren Teenager, als sie das Land betraten. Traurigerweise wurde seit Anfang der 2000er berichtet, dass viele Frauen mit E-6-Visum sexueller Ausbeutung und anderen Menschenrechtsverletzungen, wie verbale und körperliche Gewalt und ungesetzlicher Haft, ausgesetzt waren.“

In dem Land, in dem ein semipermanenter Protest gegen die sexuelle Ausbeutung von koreanischen „Komfort-Frauen“ durch die Japaner im 2. Weltkrieg herrscht, ermöglicht das E-6-Visum eine neue, moderne Form der „Komfort-Frauen“ für den koreanischen Sexhandel. Dies muss gestoppt werden. Es ist eine weitere Art, den Missbrauch und die Ausbeutung von gefährdeten philippinischen Frauen und Minderjährigen zu begünstigen.

shaycullen@preda.org

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