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Eine Mission im Leben

October 4, 2013 · 

Geschrieben von Pater Shay Cullen, erschienen am 04. Oktober 2013
Übersetzt von Patricia Fehrentz und Esther Klein

 

Wir müssen eine Mission im Leben haben, um sinnvoll, bewusst und intensiver zu leben. Diese Mission kann jegliche Art von sinnvoller guter Arbeit sein, motiviert durch Mitgefühl, sich für die Gerechtigkeit einzusetzen, andere zu schützen, Zuwendung und Solidarität mit den Kranken, Unterdrückten und Einsamen zu zeigen. Diese innere Überzeugung und das Mitgefühl kann der Antrieb dieses Auftrages sein.

Unsere Mission kann die Fürsorge für unserer Familie sein, der lokalen Bevölkerung zu helfen, sich selbst dem Gebet widmen, den Armen in jeglicher Art helfen; du kannst sogar nach draußen gehen und die Welt verändern, anderen helfen ohne selbst einen Nutzen davon zu haben. Desto weniger eigennützig und selbstbestimmt unsere Motivation ist, desto besser. Außerstande sich persönlich für eine Mission zu engagieren und unmittelbar andere zu retten, setzten sich viele ein, indem sie ihren überflüssigen Reichtum mit karitativen Organisationen teilen.

Einen Auftrag im Leben ist unsere eigene Belohnung, weil er uns aus uns heraus zu anderen bringt. Man teilt sein Leben und lebt auch für die anderen mit, wodurch wir Glück, Freundschaften und Erfüllung finden können. Es gibt keinen besseren Weg, als so zu leben, wie es Jesus aus Nazareth es uns gezeigt hat. Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für die Freunde hingibt

Seit über 44 Jahren bin ich nun schon im Auftrag der „Columban Missionary Society“. Die Columbans haben es mir ermöglicht meine Mission wahr werden zu lassen, in dem sie mich auf die Philippinen geschickt haben. Der Heilige Geist überkam mich und führte mich entlang des Weges, der für mich vorbestimmt war.

Es ist schon eine Weile her, als das letzte Kapitel meiner Mission passierte. Ich ging mit einigen Sozialarbeitern Predas zu einem Gefängnis um Miguel zu befreien und um seine Mutter zu finden. Sein Vater hatte die Familie vor Jahren verlassen.

Mit einem richterlichen Beschluss konnten wir ihn aus der verdreckten Zellen befreien; ein Loch voller Missetaten, in dem unschuldige Kinder behandelt werden wie Kriminelle. Die Minderjährigen werden zwecks Überprüfung der meist unbegründeten Vorwürfe eingesperrt. Auf den Philippinen braucht es über Wochen und Monate um eine Anhörung für die Kinder zu bekommen. In der Zeit, in der die Kinder im Gefängnis sind, erfahren sie Missbrauch, werden geschlagen und getreten. Misshandelt werden sie von anderen Insassen oder den Polizisten. Auch wenn Preda jährlich über hundert minderjährige (teilweise jünger als 13) befreit, könnten noch weitere tausende von Kindern eingesperrt sein und niemand würde davon wissen oder ihnen helfen. Wir müssen das System ändern und dafür sorgen, dass unter 15 jährige gesetzlich nicht mehr eingesperrt werden dürfen. Jene, die älter als 15 sind, sollten erst dann ins Gefängnis kommen, wenn es ein richterliches Urteil gibt und deren Tat bewiesen ist. Das ist aber bei den wenigsten der Fall. Dieses System zu ändern ist ein Auftrag, mit dem ich Zeit meines Lebens beschäftigt war und bin.
Es ist im Gefängnis, wo wir sehen können, dass Jesus von Nazareth bei den Armen ist, bei den Hungrigen ohne Kleidung und bei den unrechtmäßig Inhaftierten. Am jüngsten Tage erzählt St. Mathew uns, dass Jesus uns zu sich rufen wird.‚Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.‘ (Matthäus 25:31-46) Dann werden wir fragen, wann haben wir all das getan? Und er wird antworten: ‚Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.‘ Es ist eine sehr kraftvolle Passage, in der sich Jesus selbst mit den Ärmsten der Armen identifiziert, mit den Hungrigen, den Kranken, den verlassenen Einsamen und den unrechtmäßigen Inhaftierten.

 

So begab ich mich vom Gefängnis nach Paranaque in Metro Manila, wo Millionen von Männern, Frauen und unterernährten Kindern in unvorstellbar dreckigen Slums leben. Ich ging durch einen Sumpf von Dreck. Unglaubliche Armut und Elend herrschten hier.

Es war nicht das erste Mal, dass ich einen Slum besichtigte; es war einer von vielen. Die Umstände hier waren nur ein wenig schlimmer als in den anderen. Sie sind das Ergebnis der angeblich großartigen sozialen Gleichheit in den meisten modernen Gesellschaften, von dessen Wohlstand die armen Länder nicht profitieren können. Dort kontrollieren oder besitzen schätzungsweise zwei Prozent 70 Prozent des Nationalvermögens. Viele Politiker lassen Milliarden von Pesos in ihren eigenen Taschen verschwinden und tragen zu mehr sozialer Ungleichheit bei.

Es existiert ein großer Unterschied zwischen Arm und Reich, wie es auch in der Bibelgeschichte von Lazarus vor den Toren des reichen Mannes David thematisiert wird. Nicht mal die Krümel, die von seinen Tisch fallen, kann Lazarus bekommen. Die Einzigen, die Mitgefühl zeigten, waren die Hunde, die seine Wunden leckten um ihn zu heilen.

Durch ihr unverantwortliches gieriges Verhalten werden die Reichen schuldig. Die Kinder der Armen müssen betteln oder stehlen um sich ihr Essen zu sichern und kommen dann sie ins Gefängnis.
Um zu den Wellblechhütten und Baracken zu kommen, dort wo auch Miguels Mutter lebte, mussten wir einen Fluss überqueren. Er roch stark und war schwarz wie Teer, sodass es dort kein Leben mehr existieren konnte. Im Wasser trieben Plastiktüten und menschliche Exkremente, da es im Slum keine Abwasserkanalisation und Toiletten gab. Es war gefährlich die klapprige, wackelige Brücke zu benutzen, die wie auch die Hütten im Slum von den Einwohnern selbst aus Schrott gebaut wurde.

Sie trafen sich. Miguels Mutter umarmte ihren verloren Sohn während ihr die Tränen die Wangen hinunterliefen. Etwas Gutes und Wundervolles begann zu existieren, in einer Welt, die sonst so stark durch Armut geprägt ist.
Ich schaute hoch zu den weiterentfernten, emporragenden Wohnanlagen und Hochhäusern der Superreichen und fragte mich, ob es einen Zachäus unter ihnen gibt, der sein Herz geöffnet hat und den Armen das zurückgibt, was ihnen zusteht.

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