Preda Deutsch Website

Die Lebenden und die Toten

November 8, 2013 · 

Von Pater Shay Cullen, erschienen am 04. Nov 2013
übersetzt von Felix Bröckling

Auf den Philippinen wir der Tod als ein Teil des Lebens behandelt, unausweichlich, bloß herauszögerbar; Trauer ist kurzweilig, Erinnerungen bleiben ein Leben lang. Friedhöfe an Allerheiligen sind ein überwältigendes Zeugnis von Leben und Familie. Am 1. November versammelt sich die ganze Familie um das Grab, es wird gebetet, Psalmen werden rezitiert, tausende von brennenden Kerzen erhellen die Düsternis mit ihrem flackerndem Licht und füllen den ganzen Platz mit Silhouetten. Mit Gesang, Kartenspiel und Picknick wird bis zum Morgengrauen gefeiert. Nach dem Morgengebet wird zusammengepackt und alle gehen nach Hause.

Die Reichen sind, wie im Leben oder im Tod, von der Gemeinschaft abgeschottet, in großen Mausoleen, die von den schlichten Kreuzen oder weißgetünchten Sarggroßen Grabstätten der einfachen Leute mit Zäunen getrennt sind. Jetzt ist die Zeit der Lebenden und der Toten zu gedenken. Sterben setzt dem Leben ein schmerzhaftes Ende.

Ich habe private Friedhöfe gesehen, die nur von Stille erfüllt waren. Ringsum Grabsteine, die ein ganzes Leben auf wenige Worte reduzieren, als wäre es gänzlich ereignislos verlaufen. Ein einsamer, trauriger und deprimierender Ort, der einzig der größten Angst tribut zollt, dem Tod und den ungewissen Schicksal das uns dahinter erwartet.

Und doch Leben die Toten in unserem Bewusstsein, in unseren Erinnerungen und Herzen. Die Grabsteine jedoch künden nur in leeren Worten von Liebe und Trauer der Hinterbliebenen, selbst wenn nichts davon tatsächlich existiert.

Wir können um die liebenden und geliebten Verstorbenen trauern. Freunde, Eltern, Brüdern und Schwestern, einige davon wahre Helden, deren verlorener Liebe, einst glücklichem Lachen und Berührungen wir nun nur noch gedenken können.

Das gröβte Opfer an den Tod sind die Tage des Spaßes und des Glücks, das viele mit ihnen teilten und denen durch tragischen schmerzhaften, plötzlichen oder langen leiderfüllten Tod ein Ende gesetzt wurde. Es füllt unsere Herzen kontinuierlich mit Schmerz und der Erkenntnis, dass auch wir einmal sterben werden.

Ein Grab zu besuchen gibt uns die Chance all die verschenkten Möglichkeiten wieder gut zu machen, in denen wir hätten vergeben und um Vergebung bitten, uns hätten versöhnen, Frieden schließen oder jemanden sagen können, dass wir ihn lieben, jedoch von irgendetwas zurückgehalten wurden. Nun bedauern wir die Zeit in der wir nicht für sie da waren. Der Tod nimmt uns die Chance, daran noch etwas zu ändern.

Wenn wir uns um sie gekümmert, sie geliebt und unterstützt haben, könnten wir zufrieden sein, und sie im Wissen, ihnen treu geblieben zu sein, in Frieden ruhen lassen. In ihrem Tod liegt für uns kein Vorwurf. Wenn wir sie jedoch enttäuscht haben, können wir nur um sie und uns trauern. Der Tod ist zwar real, doch wir leugnen ihn um die schmerzvolle Wahrheit zu übertünchen, dass auch wir einmal nicht mehr sein werden, oder etwa doch?

Dann werden wir uns fragen, wie haben wir gelebt, was hinterlassen wir der Welt und unseren Nachkommen? War es ein Leben nur für uns, oder für andere? Haben wir gedient oder wurden wir bedient, haben wir gegeben oder genommen, behalten oder geteilt? Haben und wurden wir geliebt?

Das Leben ist den meisten wertvoll, etwas an dem man hängt, in dem man aufgeht und was man genießt, etwas das zu erhalten, beschützen und verlängern ist. Ein gutes Leben zu führen in dem man anderen hilft ist das sinnvollste und diese guten Menschen sind immer bereit dem Tod in Angesicht zu blicken.

Die meisten Menschen ziehen das Sein dem Nicht-Sein vor. Auch die ärmsten der Armen, die als wertlos gebrandmarkt, die ein Leben voller Entbehrungen führen, hängen an ihm. Sie hoffen auf eine bessere Zukunft.

Die verantwortungslosen, egoistischen Reichen leiden darunter dem mit dem schlechten Gewissen desjenigen gegenübertreten zu müssen, der niemals für die Notleidendenden da war.

Doch auch sie können ihren Fehler erkennen und wieder gut machen, indem sie ihren Beitrag dazu leisten, die Welt zu einem besserem Ort zu machen, bevor sie aus ihr scheiden. Mitgefühl, Liebe und Vergebung des himmlischen Vaters sind der Kern der Botschaft Jesu. Wir wissen nicht über das Leben nach dem Tod, aber wir vertrauen das ihm die liebesvolle Verbindung zur ewigen Güte zugrunde liegt.

Copyright © 2017 · Preda Foundation, Inc. All Rights Reserved