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Die Lazarus Flüchtlinge stehen vor den Toren

September 15, 2015 · 

Fr. Shay Cullen

Fr. Shay Cullen

Die Lazarus Flüchtlinge stehen vor den Toren
Pater Shay Cullen

Vatikanstadt
Delegierte aus aller Welt haben sich in Vatikanstadt versammelt um dem Internationalen Symposium der pastoralen Fürsorge für Migranten und Obdachlose beizuwohnen, welches vom päpstlichen Rat veranstaltet wird. Währenddessen geht ein schockierendes Video um die Welt, welches zeigt, wie Flüchtlingen jegliche Hilfe versagt wird.

Papst Franziskus setzt sich eindrücklich für die Belange der Flüchtlinge ein. Missbrauch muss geahndet und Rechte müssen geschützt werden. Wir müssen ihnen Zuflucht, Liebe und Mitgefühl entgegenbringen. Unser Planet ist das Erbe aller Generationen und muss unter allen Menschen unter fairen Bedingungen geteilt werden. Dies trifft insbesondere in Zeiten schwerer Kriege und Krisen zu. Es darf nicht sein, dass sich einige wenige den Planeten aneignen, und alle anderen ausschließen.

Das besagte Video zeigt mazedonische Bereitschaftspolizisten beim Schlagen von Flüchtlingen. In schlammigen und regnerischen Feldern schlagen sie die Männer, Frauen und Kinder mit Knüppeln. Dies unterstreicht die Dringlichkeit des Symposiums, zu dem ich eingeladen wurde. Hier soll umgehend eine internationale Antwort auf die Flüchtlingskrise gefunden werden.

Die Umstände und der schlimme Umgang der Regierungen und öffentlichen Einrichtungen dieser Länder wurde als Desaster beschrieben. Für die Regierungen von Ungarn und Mazedonien ist es in der Tat ein Desaster. Sie behandeln die Flüchtlinge unmenschlich und verweigern ihnen jegliche humanitäre Hilfe. Der Ruf dieser Länder geht in einem Bach aus Ignoranz und Herzlosigkeit unter.

Über diese Länder ergeht ein hartes Urteil, denn sie behandeln die Flüchtlinge mit unangemessener Härte, wenn sie sie in Käfige sperren oder sie tagelang ohne Essen und Zuflucht auf den Straßen verenden lassen. Hier werden sie abgewiesen und als Plage gebrandmarkt – als angebliche Wirtschaftsflüchtlinge.

Dies ist ungerecht und falsch. Es verstößt gegen internationale Gesetze, die Flüchtlingen ein Recht auf Zuflucht und Menschenrechte zusprechen. Die osteuropäischen Staaten ignorieren ihre internationalen Verpflichtungen.

Ungarn mobilisiert zur Stunde sein Militär um dem Zustrom von Flüchtlingen zu beenden. Dies, anstatt sie willkommen zu heißen und humanitäre Hilfe anzubieten. Es ist ein krasser Widerspruch zu Ländern wie Österreich, Deutschland, Finnland und Schweden.

Das Vereinigte Königreich hat nach unglaublicher Scham über die eigene Politik der geschlossenen Tore wieder einer Handvoll Flüchtlingen Zuflucht zugesagt. Es waren die Forderungen der mutigen Bevölkerung Großbritanniens, die als gute Christen ihre Pflicht der Nächstenliebe erfüllen, obwohl ihre Regierung dies nicht tut. Hier kann man auf ein altes Sprichwort zurückgreifen: „Segnet das Volk aber züchtigt die Politiker.“

Unter großem Druck hat der Premierminister einigen tausend Flüchtlingen Zuflucht zugesagt. Zu wenige – zu spät. Die großzügigen Nationen mit mitfühlenden Asylgesetzen wie Österreich, Deutschland, Finnland, Schweden und Frankreich sollten mit Ehrfurcht betrachtet werden. Sie laden zum Nachahmen ein.

Die Vereinigten Staaten haben stillschweigend im Angesicht dieser Krise verharrt. Sicherlich steht dies im Zusammenhang mit der rassistischen Forderung, eine Mauer an der mexikanischen Grenze zu errichten. Dies ließ die amerikanische Bevölkerung jedoch unbeeindruckt, die den Flüchtlingen mit Liebe und Mitgefühl begegnet.

Diese Flüchtlinge als illegal zu brandmarken, die Gefängnisstrafen verdienen, ist unverantwortlich und unmoralisch.

Sie sind rechtmäßige Asylsuchende, die der grauenvollen chemischen Kriegsführung Assads und der unmenschlichen Sklaverei und den Massenmorden des ISIS entfliehen. Die Herausforderung für Europa ist, in Gerechtigkeit vereint zu stehen, seine Ressourcen zu mobilisieren und diesen Opfern von Krieg und Todesschwadronen zu helfen.

Besonders treffend ist die Bibel-Geschichte des sterbenden Bettlers namens Lazarus. Überzogen von Wunden und ausgemergelt vom Hunger lag er vor den Toren eines reichen Mannes namens Dives. Dessen Tisch war so überfüllt mit Nahrungsmitteln, dass er bald einzustürzen drohte. Nicht einmal Essensreste würde er Lazarus geben. Trotz seines Reichtums hatte Dives kein Mitgefühl. Die einzigen, die dort mehr Mitgefühl als die Reichen zeigten, waren die Hunde. Sie versuchten Lazarus zu heilen, indem sie seine Wunden leckten. Die Geschichte zeigt das unwürdige Verhalten der Rassisten auf, die, gierig wie sie sind, allen Reichtum für sich selbst behalten. Sie überlassen die Lazarusmenschen ihrem Schicksal.

Krieg ist schrecklich und verantwortlich für unglaublichen Schmerz. 14 Millionen Kinder erlangen keine Bildung wegen Krieg. Eine ganze Generation wird bildungsfern aufwachsen. Krieg bringt Krankheiten, Obdachlosigkeit und Zerstörung. Es dauert Jahre, bis Frieden einkehrt.

Im syrischen Bürgerkrieg sind bisher 200.000 Menschen gestorben. Drei Millionen Menschen sind in den Nachbarländern auf der Flucht. Sie fliehen vor den grauenvollen Bombardierungen Assads, dessen Terrorregime von Russland mit Waffenlieferungen offen unterstützt wird.

Während wir Mittel und Wege suchen, den Millionen flüchtenden Menschen zu helfen, müssen wir jene zur Verantwortung ziehen, die für das Chaos und die militärischen Interventionen im nahen und mittleren Osten verantwortlich sind. Die Invasion des Irak, Afghanistans und der Angriff auf Lybien haben einen Feuersturm aus Destabilisierung, Wut und Protest entzündet. Dies schaffte einen Nährboden für religiösen Extremismus. Die unvorhergesehen Konsequenzen: Terrorismus, fanatische Massenmörder, schiere Gewalt und nie dagewesene Grausamkeit. Dieses alles verschlingende Feuer muss gelöscht werden. Was wir tun müssen: Helft den Opfern dieser globalen Desaster, Kriege, Invasionen und Besetzungen.

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