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Die Geschichte von Jonathan

October 28, 2016 · 

Die Geschichte von Jonathan
Fr. Shay Cullen

Es war einmal ein 16-jähriger Junge names Jonathan. Er kam aus zerrütteten Familienverhältnissen, wo es keinen Zusammenhalt durch Liebe gab. Es gab Armut, welche das Essen fern von den Tischen und den Mündern seiner Brüder und Schwestern hielt.

Als Jonathan seinen Vater das letzte Mal gesehen hat, floh dieser, betrunken mit einem billigen Schnaps, um den Schmerz des Scheiterns zu betäuben, aus ihrer Hütte am Pasig. Er war arbeitslos, da er von seinem korrupten Chef gefeuert wurde und konnte nun nicht mehr für seine Familie sorgen. Er war ein nutzloser, verletzter Mann, dem seine Würde genommen wurde.

Jonathan brach die Schule ab um Arbeit zu finden, jedoch war dies nicht möglich, da er keinen High-School Abschluss besaß. Er wendete sich an einen örtlichen Drogenhändler und verkaufte illegale Substanzen um Einkommen für seine Familie zu verdienen.

Schon wenige Körner von Crystal befreien den Körper von Depressionen und dem Elend. Sie verbannen das Hungergefühl eines leeren Magens und lindern den Schmerz der Armen in den Slums. Armut ist der beste Drogendealer aller Zeiten.

Jonathan vertrieb Medikamente, die den Schmerz und das Leiden armer Menschen in den Slums betäubten. Crystal Meth, auch Shabu genannt, lässt die Menschen eine kurzlebige Stunde von Glück fühlen, in der sie alle Sorgen vergessen. Anderen bringt es einen Energieschub, sodass sie länger arbeiten können und die Schmerzen im Körper nachlassen.

Die Abhängigen haben flüchtige paradiesische Momente, welche später der schlimmsten Not weichen, bevor das Crystal verfliegt. Sie begehren die Seligkeit des Vergessens ihres ohnehin schon ruinierten Lebens. Sie sind hilfloser als jemals zuvor. Sie sind diejenigen, die Hilfe, Erholung und eine neue Chance im Leben brauchen.

Andere, verwenden Crystal wie die Ureinwohner Boliviens, die Coca Blätter kauen. Sie helfen das harte Leben in den Bergen und die anstrengende Arbeit zu ertragen. Für sie ist es eine Notwendigkeit.

Für die Bewohner der Armenviertel stellt die herrschende Elite kein Möglichkeit zur Flucht, keine Hoffnung auf eine Zukunft und keine Erlösung von der Traurigkeit dar. Für die hundert Tausenden Armen gibt es keine Hilfe, die den Schmerz lindert oder die ihre Wunden heilen.

Die Reichen und die aufsteigende Mittelklasse nehmen Crystal und andere illegalen Drogen im Luxus ihrer polierten hochgebauten Appartements. Den Dreck und das Elend lassen sie weit unter sich und sehen nicht die Notwendigkeit, den Armen beim Überlebenskampf zu helfen.

Für die unverantwortlichen Reichen sind die Armen nicht-existierende Körper. Die Pest ist immer mit ihnen, sagen sie abwertend. Arbeitslose, Hungrige und Kranke werden von ihnen als die Verdammten dieser Erde, Dreck der Menschheit und würdelosen Bewohner der Slums bezeichnet.

Die herrschende Klasse ignoriert sie und streckt ihnen keine Hand der Gnade entgegen, um ihnen einen Weg der Flucht zu öffnen. Für manche Arme war und ist Crystal der einzige Weg zur Flucht. Crystal ermöglicht ihnen Momente der Leichtigkeit in ihrem Kampf um das Überleben.

Jonathan hat eine spärliche Summe einnehmen können. Sein Einkommen war genug, um einen Sack Reis, ein wenig Fisch in der Dose und eine Handvoll Gemüse zu kaufen. Es ist Essen für die vaterlose Familie.

Seine Kunden waren genauso arm wie er. Es gab Benny mit seinem Fahrradtaxi, welcher jeden Tag 50 Kilometer für einen Hungerlohn strampelt. Er besaß nichts außer seinem T-shirt, seiner Hose und seinen abgenutzten Flip-Flops, die er auf dem Müll gefunden hat.

Er arbeitete den ganzen Tag und verdiente nur einen erbärmlich niedrigen Lohn, um seine Kinder zu ernähren. Er fährt durch die schmalen Seitengassen von Manila und im Schatten der hohen Eigentumswohnungen der Reichen. Gratis gibt es nur den kalten Schatten.

Er brauchte einen Zug Shabu, um seine Überstunden durchzuhalten, den Reisesack und das Gemüse zu seiner Familie nach Hause zu bringen und um das Schreien des Kleinen zu stoppen.

Dann fing alles an: Es kursierten Gerüchte, dass sie nutzlose Kriminelle mit kleine Gehirnen und ohne Recht oder Würde seien. Sie mussten eliminiert, ausgerottet, massakriert werden. Die Killer fuhren in Kapuzen gekleidet vor, schlugen ihre Hütten nieder und befahlen den Fahrrad-Taxi Fahrern sich auf den Boden zu legen. Dann erschossen sie jeden Einzelnen. Benny war einer von ihnen. Nun ist niemand mehr da, der die Familie mit Reis und Gemüse versorgen kann und das Baby schreit die ganze Zeit vor Hunger. Benny hatte keine Chance sich zu erklären.

Dann kamen die Motorräder die schmale Gasse heruntergefahren und Jonathan war ihr Ziel. Sie töteten ihn mit einem Schuss in den Kopf. Seine Mutter schrie und all seine Brüder und Schwestern weinten eine Woche lang für ihn und tun dies noch immer, wenn sie keinen Reis haben.

Im Schuppen neben dem stinkenden Pasig, ein Fluss, welcher eine Senkgrube des Drecks und des Schmutzes war, lag er in einer Sperrholzkiste. Der Fluss fließt weiterhin durch eine Stadt des Todes, wo viertausend Menschen getötet worden sind. Jonathan war nur einer von Vielen, der verdächtigt wurde, ein Verbrechen begangen zu haben. Er hatte keine Chance, sich selbst zu schützen oder sich zu rechtfertigen.

Es war ein hartes Leben in den Slums der Stadt, wo der Tod langsam mit Unterernährung und Krankheiten kommt, aber jetzt ist es eine Stadt des plötzlichen Todes. Einige bezeichnen es als eine Erleichterung. Jeder Körper, der in einem Plastikbeutel gehüllt weggetragen wird, wird von den Bürgern beklatscht und das Gemetzel wird von ihnen bejubelt. Auch sie haben Blut an ihren Händen.

Jetzt können wir das Sterben der Würde, einer einst stolzen Nation, die für Recht und Freiheit eingestanden ist, beobachten. Tag für Tag verschwindet durch den „Drogenkrieg” mehr der nationalen Würde. Es ist ein anderer Weg mithilfe von Angst und Schrecken zu regieren.

shaycullen@preda.org

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