Preda Deutsch Website

Der Handel von Menschen

August 17, 2016 · 

Der Handel von Menschen
Fr. Shay Cullen
12 August 2016

Vor wenigen Wochen wurden auf den Philippinen 69 Vietnamesen ausfindig gemacht die Opfer des Menschenhandels geworden sind. Ausgestattet mit einem Touristenvisum, wurden diese jeweils in Zweierpaaren von Vietnam auf die Philippinen geholt und hier über 3 Jahre von Menschenhändeln gezwungen für wenig bis gar kein Geld zu arbeiten. Danach wurden sie von Ihren Ganganführern sitzen gelassen, als mittellos erklärt und schlussendlich abgeschoben.

Die Philippinen entwickeln sich weiter zu einer Destination für unterbezahlte oder sogar Sklavenarbeiter, als hätten sie davon selbst noch nicht genug. So zählen sie vor allem auch als Heimatland von Menschenhandelsopfern, die sowohl intern als auch international gehandelt werden.

Besonders ausgeprägt ist auch der Menschenhandel von den Philippinen in Länder wie Südkorea oder Japan mit Hilfe von E6 Visas. Was dort mit den tausenden jungen philippinischen Frauen passiert kann man sich nur vorstellen.

In ihrem zunehmenden Kampf gegen den Menschenhandel, haben die Philippinen bereits den US Trafficking in Persons Report (Tier) 1 Status erreicht und gehören damit zu den Top 39 Ländern, dessen Regierung den minimalen US Standards des sogenannten Trafficking Victims Protection Act (TVPA), einem der wichtigsten Gesetze gegen den Menschenhandel, entsprechen. Dieser Fortschritt wurde erst dieses Jahr (2016) erreicht, nach vielen Jahren auf der Tier 2 Liste. Zuvor, an einem kritischen Zeitpunkt vor nur einigen Jahren drohten die Philippinen sogar auf den Tier 3 Status zu fallen, welcher einer sehr niedrigen Regelkonformität mit den US Standards entspricht.

Laut des Trafficking in Persons Report des US State Department von 2016 bedeutet der zugesprochene Tier 1 Status jedoch nur, dass die Regierung die minimalen Standards erfüllt und nicht, dass Menschenhandel in den jeweiligen Ländern nicht existiert.

Ein großes Problem entsteht dadurch, dass der Sexhandel von lokalen Behörden und Bürgermeistern in vielen Dörfern und Städten genehmigt wird. In Zusammenarbeit der Sozialarbeiter der Preda Foundation mit dem National Bureau of Investigation wurden erfolgreiche Razzien in Sexbars und Clubs im Großraum Subic und Olongapo durchgeführt. Zurzeit liegt ein laufender Fall vor, in dem ein US-Bürger wegen Menschenhandel und Kindesmissbrauch angezeigt ist.

In einer der Razzien vor ein paar Jahren, gab sich ein ehemaliger australischer Polizist als Tourist aus und half dabei die Identität von sowohl Kunden als auch der ausführenden Instanz einer Sexbar und eines Sexhotels zu enthüllen. 15 Minderjährige und junge Mädchen konnten hierbei gerettet werden und bis zu 12 Sexbars geschlossen.
Anders als man vielleicht erwarten würde, wollen manche Mädchen gar nicht “gerettet” werden, obwohl viele von Ihnen auch Opfer von Menschenhandel sind. Sie sind überzeugt, dass dies der Job für ihr Leben ist und vielleicht auch das einzige was sie können. Sie wurden oftmals jahrelang konditioniert und genötigt. Viele sind drogenabhängig und ihre Drogendealer versorgen sie vor Ort in der Sexbar. Andere haben Angst ins Gefängnis zu kommen, wenn sie ihre Schulden nicht bezahlen können.

Sie leihen sich Geld vom Clubbesitzer für Drogen und können diese selten zurückzahlen, wodurch sie an die Sexbar gebunden werden. Diese Art von lebenslangem Schuldabarbeiten ist auch eine Form von Sklaverei. Die jungen Mädchen haben oft gar kein Geld für sich selbst übrig. Ihr Zuhälter oder der Club- oder Barbesitzer gibt ihnen nur wenig von dem verdienten Geld und stellt ihnen andere Dinge in Rechnung. So müssen die Mädchen zum Beispiel ihr Essen und ein Bett in einem Schlafsaal hinter der Sexbar bezahlen. Sie kaufen sich zusätzlich Drogen um ihr Leben irgendwie auszuhalten. Wenn sie an der Stange tanzen, müssen sie für eine Karte mit ihrer Nummer und einen Bikini bezahlen. Dann werden sie von den Kunden ausgesucht und nach ihrer Nummer ausgerufen. Es ist wie eine glitzernde Galerie in der Menschen zum Verkauf angeboten werden. In dieser Hinsicht ist es wie auf dem früheren Sklavenhandel, wo Sklaven erst präsentiert und schließlich verkauft oder „gemietet“ werden.

Über 1000 junge Mädchen stehen auf den Straßen und Clubs der Fields Avenue in Angeles City zur Prostitution bereit. Manche Mädchen wurden von ärmeren Provinzen wie Samar und Leyte geholt, andere sind weggelaufen von Manila.
Viele von ihnen wurden bereits in ihrem eigenen Zuhause sexuell missbraucht als sie noch junge Mädchen waren, liefen weg und endeten schlussendlich bei einem Zuhälter der sie an Sexbars verkaufte.

Den Minderjährigen unter 18 Jahren ist es gesetzlich nicht erlaubt in einer Sexbar zu arbeiten. Allerdings haben viele von ihnen gefälschte Dokumente, die sie als volljährig darstellen oder sie benutzen die Geburtsurkunde von einer älteren Cousine oder Schwester. In einem Video der Fields Avenue von ABC New York, bot eine Tante ihre 14-jährige Nichte, „eine Jungfrau“, wie sie sagte, einem der Undercover-Reporter an.
Die Mädchen haben keine Alternative und sehen keinen Ausweg in Richtung eines besseren Lebens. Manche können sich ein anderes, besseres Leben noch nicht einmal vorstellen. Sie leben alleingelassen und hoffnungslos. Gerade deshalb ist ein frühzeitiges Eingreifen so wichtig um dem verletzen, missbrauchten Kind rechtzeitig zu helfen und Menschenhandel zu vermeiden.

Vorbeugung ist genauso wichtig wie die Befreiung und Heilung der Opfer. Die besten Resultate werden erzielt, wenn die Regierung mit der zivilen Gesellschaft zusammenarbeitet.
Ein Team der Preda Foundation klärt Regierungsabgeordnete, Eltern, Lehrer und Hotelangestellte über das Anti-Menschenhandelsgesetz, Menschenrechte im Allgemeinen und auch speziell die Rechte der Kinder auf und darüber, wie man bei Verstößen reagiert, diese meldet und somit Menschenhandel verhindert.

Um nachhaltig diesen verletzten Kindern zu helfen, welche von dem Missbrauch Zuhause in die Straßen flüchten, müssen Gleichheit, die Rechte und Würde von Frauen und Kindern verbreitet werden. Genau hier liegt der Grundbaustein in der Arbeit gegen Sexhandel und dem herablassenden und menschenunwürdigen Umgang mit den Opfern.
Wir müssen für diese Menschen aufstehen und uns für die Verbreitung und Einhaltung der Menschenrechte einsetzen.

Copyright © 2017 · Preda Foundation, Inc. All Rights Reserved