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Archive for September, 2011

Einsatz auf Straßen dieser Welt

September 15th, 2011 No comments
Einsatz auf Straßen dieser Welt

Dietmar Bär, Father Shay Cullen und Lino Caneta zu Gast in der Ev. Kirche Oberrahmede

Lüdenscheid. „ Es ist eine helfende Geste, die uns leicht fällt, wenn wir die Arbeit von Pater Shay Cullen mit einer Spende unterstützen. Aber was er vor Ort leistet, ist mehr als nur leicht getan“, sagt der Tatort-Schauspieler Dietmar Bär. Auf den Philippinen machte sich der Mitinitiator des „Tatort – Straßen dieser Welt e.V.“ mehrfach selbst ein Bild davon, wie stark der irische Geistliche Shay Cullen mit der PREDA („People’s Recovery Empowerment Development Assistance Foundation“) -Stiftung für die Menschenrechte eintritt und sich mitunter auch dabei in Lebensgefahr begibt. Am Donnerstagabend begrüßte Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg nicht nur den TV-Darsteller und Rezitator Bär in der evangelischen Kirche Oberrahmede, sondern auch Father Shay Cullen und PREDA-Mitarbeiter Lino Canete.

400 000 Sextouristen aus Deutschland

160 Besucher nahmen an dem Begegnungs – und Informationsabend teil, der im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Welt schaut uns zum Fenster rein“ von Agenda-Beauftragten der Stadt Lüdenscheid, der Volkshochschule Lüdenscheid, Weltladen und dem Eine-Welt-Netz realisiert werden konnte.

Der Abend wurde durch das Engagement von Swanie Diehl ermöglicht. Ihrem Kontakt zu Father Shay ging dabei eine traurige Geschichte voraus: Der Mord an ihrem philippinischen Patenkind Mykie Prado. Um zu dessen Aufklärung beizutragen, schaltete die 45-Jährige die PREDA-Stiftung ein und startete eine große Unterschriftenaktion zwischen Altena und Lüdenscheid. Durch die heimische Unterstützung und die Zusammenarbeit mit PREDA und dem Tatort-Verein konnte die südostasiatische Justiz letztlich dazu bewegt werden, dieses Verbrechen zu klären. Auch VHS-Leiter Andreas Hostert und Bürgermeister Dieter Dzewas zeigten sich beeindruckt.

Tagtäglich sieht sich Father Shay Cullen mit den Abgründen des Alltags auf den Philippinen konfrontiert: Kindermisshandlung, Menschenhandel, Kinder in Gefängnissen, Sextourismus, Kinderprostitution. – Gesteuert von international agierenden Banden und durch eine korrupte Regierung gedeckt.

Die 93 PREDA-Mitarbeiter vor Ort, die Shay Cullen im Hilfezentrum in Olongapo City unterstützen, sehen sich mächtigen Feinden gegenüber. Seit 1974 wirkt die Stiftung dabei mit Menschenhändlerringe aufzudecken und die Opfer dieser Machenschaften zu befreien und zu versorgen. Jährlich würden 100 000 Kinder sexuell ausgebeutet und 500 000 Frauen in die Prostitution gezwungen, führte Shay Cullen aus. Allein 400 000 der Sextouristen, die im Jahr auf die Insel kommen, seien Deutsche.

Mangos, Mut und Menschenrechte

September 9th, 2011 No comments

Pater Shay Cullen kämpft unerschrocken für soziale Gerechtigkeit und für die Rechte von Kindern. Sein Besuch in Kirchheim am Mittwoch hinterließ beeindruckte Gastgeber.

Michael Kraft

Kirchheim. Eingeladen wurde der gebürtige Ire, der als Missionar auf den Philippinen arbeitet, vom Eine-Welt-Verein Kirchheim. Die Eine-Welt-Aktiven der Teckstadt hatten im vergangenen Jahr, in dem Kirchheim sein Stadtjubiläum feierte, Geld für die philippinische Kinderhilfsorganisation Preda gesammelt, deren Mitbegründer und Direktor Pater Cullen ist. Seinen Dank sprach der Gast von den Philippinen jetzt bei einem Besuch im Weltladen des Eine-Welt-Vereins persönlich aus.

Nach Kirchheim brachte Pater Cullen eine ganze Reihe von Fotos und Berichten mit, die die traurige Realität in den philippinischen Elendsvierteln, Bordellen und Sexbars zeigen – drastische Zeugnisse einer Welt voller Schmutz, Korruption, Gewalt und Unmenschlichkeit. Angesichts dessen erscheint der Einsatz von Pater Cullen und seinen Mitstreitern fast zu schön, um wahr zu sein. Wer im Weltladen dabei war, konnte sich jedoch mit eigenen Augen überzeugen, wie der Mut, die Standhaftigkeit und die Beharrlichkeit einiger weniger solche Verhältnisse verbessern können.

Pater Cullen zeigte dort zum Beispiel ein Foto. Ein magerer, verzagter kleiner Junge blickt darauf in die Kamera, der Blick stumpf, die dünnen Arme übersät mit Infektionen, bekleidet nur mit einer kurzen Hose, die ihm viel zu groß ist und mit einem Strick zusammengehalten wird. „Die­se Hose war das Einzige, was er besaß“, schilderte der Pater. „Dieses Bild zeige ich manchmal jungen Menschen hier im Westen, die klagen, dass sie nicht genug anzuziehen hätten.“ Und dann noch ein Foto – derselbe Junge, nachdem ihn die Helfer von Preda von der Straße gerettet und sich seiner angenommen hatten: die Augen klar, ruhig und fröhlich, das Gesicht von gesunder Farbe und entspannt, gut genährt, sauber und ordentlich angezogen. Dazu Bilder von jungen Frauen, eigentlich eher kleinen Mädchen, die Preda aus Kinderbordellen und Sexbars befreit und ihnen ein friedliches, beschütztes Zuhause gegeben hat, in dem sie frei von Bedrohung und Misshandlungen aufwachsen können.

Der Ausweg von Preda aus Armut und Abhängigkeit heißt Fairer Handel mit Mangos. Diese Früchte, in deutschen Geschäften als Luxusobst gehandelt, wachsen auf den Philippinen in einer ähnlichen Fülle wie hierzulande Äpfel. Preda nimmt den philippinischen Kleinbauern ihre Mangos zu einem Preis ab, der deutlich über dem Weltmarktniveau liegt, zahlt Zuschläge beispielsweise für eine Krankenversicherung oder für Kampagnen zum Schutz der Umwelt. Überschüssige Gewinne fließen in Projekte, die soziale Gerechtigkeit fördern. Sie helfen beim Kampf gegen Ausbeutung und Menschenhandel, retten Frauen aus der Prostitution oder Kinder aus Gefängnissen, in denen unmenschliche Zustände herrschen und in denen sie für kleine Vergehen wie Mundraub oder Bettelei sitzen. Im Kampf gegen diese Missstände hat Preda eine wirkungsvolle Waffe: Man macht Fotos dieser Zustände öffentlich oder droht den Behörden zumindest damit.

Sein mutiger und erfolgreicher Einsatz für soziale Gerechtigkeit und vor allem für die Rechte von Kindern brachte dem Pater aus Irland viele Auszeichnungen ein – und in den Jahren 2001 und 2003 zwei Nominierungen für den Friedensnobelpreis. Den Menschenrechtspreis von Weimar bekam er 2000, den der italienischen Stadt Ferrara im Jahr darauf. Als die schweizerische Caritas 2003 ihren Preis für Menschlichkeit schuf, hieß der erste Preisträger Pater Shay Cullen.

Der Besucher von den Philippinen weiß seit dieser Woche, wie Kirchheim von oben aussieht. Oberbürgermeis­terin Angelika Matt-Heidecker empfing den Gast aus Südostasien, führte ihn auf den Turm des Rathauses und ließ ihn in luftiger Höhe einen Blick auf die Teckstadt werfen, bevor sie ihm im Ratssaal die Porträts von adligen Stadtherren vergangener Jahrhunderte zeigte.

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Das größte Wunder

September 7th, 2011 No comments
Das größte Wunder

Die schlimmste Dürre seit 60 Jahren hat mehr als 10 Millionen Menschen in Somalia, Äthiopien und Kenia links Risiko einer schweren Nahrungsmittel-und Wasserknappheit.

Das für uns alle, die wir versuchen wahre und praktizierende Christen zu sein, wohl am meisten inspirierende Evangelium ist wohl das, in dem Jesus von Nazareth seine Jünger dazu aufruft die Hungernden zu speisen. Wie die Geschichte es erzählt, ist Er dabei auf abgelegenem Land die Leute zu lehren. Seine revolutionäre Botschaft von Frieden, Liebe, Großzügigkeit und Selbstaufgabe ist schockierend für einige und inspirierend für andere.

Er erzählte ihnen, dass ihr Leben anders sein kann, dass wir einen freien Willen haben und so unser Schicksal selbst formen können und dass wir uns in der Kraft der „unendlichen Liebe und Güte“ vereinigen können. Wir können mit der spirituellen und sozialen Transformierung der Gesellschaft erfolgreich sein.

Er lehrte die Leute damals, genau wie uns heute, dass wir alle nach dem Abbild der „unendlichen Güte“ geschaffen sind und dass wir diese Güte in jedem einzelnen von uns finden können. Alle Menschen, sagte Er, haben ein Recht auf ein Leben in Gleichberechtigung ihrer Rechte und Würde.

In diesem von Bäumen umgebenen, grünen Olivenhain, versammelten sich Tausende – Männer und Frauen, Reiche und Arme, Kranke, Blinde und Behinderte. Auch Ausgestoßene und Unberührbare waren darunter; sie standen am Rand, zu verschämt und ängstlich um nahe zur Gruppe zu kommen, da sie verachtete , misshandelte und kranke Menschen waren. Zu diesen unterdrückten Leuten, ohne jeglichen Besitz, dazu verdammt jeden Tag für ihre Existenz betteln zu gehen, kam Jesus von Nazareth. Für sie wagte Er Worte des Willkommens und der Aufnahme, welche sie bis ins Mark erzittern ließ.

„Hey! Ihr Leute dort drüben, hintern den Bäumen, kommt her, schämt euch nicht, denn es gibt nichts wofür ihr euch schämen müsstet. Alles was über euch gesagt wird, ist nicht wahr. Wisst, dass Gott sich um euch sorgt und mich gesandt hat um die Dinge zu ändern und euch die Wahrheit zu verkünden. Gesegnet sind die Armen,  das Reich Gottes ist für euch… selig sind die Hungrigen, denn sie werden gesättigt und alle Trauernden, ihr werdet glücklich sein und lachen. Auch wenn die Leute euch hassen, ausstoßen und beleidigen, ich bin mit euch.  Tanzt vor Freude – eine Belohnung wird euch zuteil.“

Die zusammengedrängten Bettler und Ausgestoßenen schauten sich gegenseitig in ihren schmutzigen Lumpen an und fragten „wie kann das wahr sein, wo wir doch so arm und unglücklich sind, ohne Glück und dazu verdammt den Hass und die Ablehnung der Welt zu ertragen. Und Er erzählt uns, dass wir gesegnet sind und dass das Reich Gottes auf uns wartet. Wir wissen und sehen, dass es für die Reichen und Privilegierten und gut gespeisten Priester ist. Wir können diesem Jesus von Nazareth nicht glauben, wir sind nichts und es wird auch nichts für uns übrig bleiben. Für uns gibt es keine Veränderung.“

Aber es gab Veränderung.

Jesus winkte und rief zu seinen Jüngern „bringt sie hier herüber zusammen mit den Kindern, haltet sie nicht auf, nur wenn wir so unschuldig sind wie sie, können wir Gott begegnen.“ Einige der reichen, herrschenden Elite, die aus der priesterlichen Hierarchie, die sich selbst das Privileg gegeben hatten nahe beim Meister zu sein, waren geschockt, angeekelt und gedemütigt. Sie packten ihre Sachen zusammen und duckten sich von der ankommenden Gruppe von Bettlern und Kranken weg. Diese setzten sich in die erste Reihe und strahlten vor Stolz. Sie waren die Nummer eins geworden.

„Meister, wir müssen die Leute jetzt nach Hause schicken“, sagten die Jünger. „Tausende Leute sind hungrig und wir haben kein Essen.“ Aber Jesus sprach, „ Ihr füttert sie!“ Die Jünger waren geschockt. „Wie sollen wir sie füttern, alles was wir haben sind zwei Fische und fünf Brote und das ist unser Essen, wir sind auch hungrig?“

„Schon gut, verteilt was ihr habt, dies wird ein Beispiel sein für alle anderen und auch sie werden teilen.“ Und so geschah es, alle die selbstsüchtig ihr Essen unter ihren Mäntel und Taschen versteckt hatten, sahen was die Jünger taten und taten es ihnen gleich und gaben denen, die nichts hatten. Es gab genug Essen für alle.

Auch wir müssen mehr teilen, vor allem mit den hungernden Kindern in Somalia.

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