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Abgeschoben, Frustriert, MiBbraucht.
Kinder sind die Opfer im Tourismus - Zum Kirchenforum in Berlin Wa. BERLIN. Am SchluBtag der Berliner Weltmesse des Tourismus setzen seit nunmehr siebzehn Jahren die beiden christlichen Religionsgemeinschaften mit ihrem ,,Kirchenforum" besondere Akzente. Sie weisen mit dieser Gesprachsrundealtemierend organisiert jeweils von den konfessionellen Arbeitskreisen und Arbeitsgemeinschaften fur Freizeit und Tourismus - im okonomischen Borsenklima der weltweit groBten Veranstaltung der wachsenden Dienstleistungsbranche auf deren humane Seiten und die gesellschaftlich-sozialen Wirkungen hin. Das diesjahrige Forumthema ,,Kinder Opfer im Tourismus?" hatten siemit einem Fragezeichen versehen, und die Kurzreferate in der Runde der Gesprdchsteilnehmer und die Diskussionsbeitrdge entwarfen ein Bild, das durch die dargestellten Fakteq, Beobachtungenund Vorgange erschreckend deutlich machte, daB dieses Frageizeichen durch ein Ausrufungszeichen zu ersetzen ist: Kinder geraten in den Regionen und Wirklichkeiten des Reisens und Urlaubmachens vielfach in ein fatale Rolle. Eins wurde bei dieser Diskussion gleich anfangs klargestellt: Seit Jahren registriert man intensiv die Einflilsse des Fremdenverkehrs auf Natur, Landschaft und Umwelt allgemein. Der vielfaltige EinfluB des Tourismus auf die sozialen Strukturen der Erholungsgebiete, auf die Existenz der ,,Einheimischen" aber wird kaum untersucht. Ware es nicht notwendig, mehr uber seine ,,Sozialvertraglichkeit" nachzudenken und nicht nur ,,Umweltbeauftragte" einzusetzen, sondem auch solche, die fair einen Ausgleich der Spannungen zwischen den Reisenden und den ,,Bereisten" zu sorgen hatten, von denen besonders die Kinder betroffen sind, wie Beispiele aus Solden in Osterreich und von der Nordseeinsel Langeoog belegten. Engagiert berichtete Hans Haid aus Solden, wie sich bei den Kindern der
Alpendorfbewohner eine Frustration breitmacht gegeniiber dem stundig fluktuierenden
Gastestrom im Wochenwechsel. Sie steigert sich - etwa in Schulaufsdtzen
- bis hin zu strikter Ablehnung des Tourismus. Das Eltern, die gutgehende Hotels besitzen, erkennen die gespannte Situation und schicken ihre Kinder in ein Internat, oder sie hindem sie daran, mit den Gastekindern zu spielen, um ihnen die fluchtigen Wochenbindungen zu ersparen. Eine Beobachtung beangstigt: der Schwenk vom Frust zu einem nackten Materialismus, die Mutation und Degeneration des Alplers schon von Jugend an zu einem merkantilen Rechnet, der den Gast nur als Geldquefle fur die Erhohung seines Konsums ansieht. Ahnliche Beobachtungen, daB numlich Mensthen bindungslos konsumierbar seien, skizzierte aus dem Plenum heraus der Pastor der Noordseeinsel Langeoog. Fugt man diesen Situationsschilderungen aus europaischen Zielen hinzu, was der Vertreter der Kampagne gegen Kinderprostitution auf den Philippinen, Father Shay Cullen, in konibrimierter. Form vortrug, wird die Opferssituation von Kindem unter dem Druck Elterlicher Armut zu einer Anklage an die sogenannte zivilisierte Welt. Nur zu begreiflich ist daher sein Wunsch, die deutsche Regierung moge verstarkt mithelfen, daB Vergehen an Kindem bestraft und die Menschenrechte eingehalten werden. Die Zahl der Opfer von Kinderprostitution wird, so sagte der katholische Pater, auf 200 000 in Thailand und auf 60 000 auf den Philippinen geschdtzt. Wenn deutsche Steuergelder zu Zwecken der Entwicklungshilfe verwendet werden, dann muBten darin auch Verpflichtungen enthalten sein, Gesetze zum Schutz der Kinder zu erlassen. Es geht hier in Femost, im Alpenraum und an der Nordsee um eine Frage der Ethik, der Formulierung von Normen, einer Kategorie also, zu der als Referent der Theologe Wilhelm Grab von der Universitat Bochum Stellung bezog. Er brachte das komplexe Thema der multikulturellen Gesellschaft auf die knappe Forinel: Achte jeden gleich, instrumentalisiere niemand. Freilich meldete er Skepsis an gegenober dem Begriff ,,Sozialvertraglichkeit" und seiner Moglichkeit der Realisierung im Tourismus. Er deutete an, daB sie nach seiner Ansicht am ehesten in kunstlich errichteten Urlaubswelten ohne Kommunikation mit ansassigen Gastgebern erreicht werden konne. Der Vertreter der Reiseindustrie (Waldefried Zucker-Stenger von NUR Touristik) wies darauf hin, daB man uber die Sozialvertraglichkeit ihrer Produkte zu wenig wuBte. Dies konnte nur durch intensive, teilnehmende Beobachtungen erreicht werden, die kaum angestellt wurden. Kinder seien weniger am Zielort oder -gebiet interessiert als an Spiel und Abenteuer und an der Chance, mit anderen Kindern in altersgerechten Gruppen aktiv zu sein. Auch die Frage, ob Eltern allein Ferien machen und ihre Kinder in einen fur sie praparierten Urlaub schicken sollten, kam zur Sprache. Eltern muBten sich da unabhangig von auBeren Einflussen eine eigene Entscheidling zutrauen. Was im Urlaub geschieht, ist Ausdrucksform der in der Familie herrschenden Beziehungen innerhalb dieser Intimgruppe (Heinrich Kupffer vom Kinderschutzbund). Diskutiert wurde weiterhin uber das unsichere Verhalten von Touristen, wenn sie in ,,armen" Landem von Scharen bettelnder Kinder umringt werden, und wie dort die Verhaltnisse der Kinderarbeit im Hotel- und Gaststattenbereich gesetzlich verbessert werden konnen.
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